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  • 60 Meter hohes Holz-Hybrid-Bürohochhaus entsteht im Frankfurter Gallusviertel

    ffm. Im Frankfurter Stadtteil Gallus ist ein weiterer Schritt in der Entwicklung des Quartiers Hellerhöfe vollzogen worden. Auf dem rund zwei Hektar großen Gelände des ehemaligen Hauptsitzes der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und der Frankfurter Societät wurde während einer feierlichen Grundsteinlegung der aktuelle Baufortschritt sichtbar gemacht. 

    Auf dem ehemaligen FAZ-Areal in Frankfurt entsteht ein rund 60 Meter hohes Holz-Hybrid-Bürohochhaus mit etwa 15.300 Quadratmetern Mietfläche, eine viergruppige Kindertagesstätte sowie eine zweigeschossige Tiefgarage mit 148 Stellplätzen. 

    Städtebaulich orientieren sich die Hellerhöfe an einer Blockrandstruktur mit begrünten Innenhöfen. Die Energieversorgung erfolgt über Geothermie, ergänzt durch Photovoltaik und Regenwasserrückhaltung auf den Dachflächen.

    "Dass dieses Projekt auf unserem früheren Standort entsteht, hat für viele von uns eine besondere Bedeutung. Dieser Ort steht für Öffentlichkeit, Debatte und Verantwortung – für das tägliche Ringen um gute Entscheidungen. Wir von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wünschen uns, dass hier ein neues, lebendiges Viertel entsteht, das Verantwortung übernimmt: gegenüber der Stadt mit ihren berechtigten Anliegen, gegenüber den Menschen, die hier leben und arbeiten werden und gegenüber den Kindern, die hier erst in die Kitas und später in die Schule gehen werden“, sagte Volker Breid, FAZ-Geschäftsführer. 

    Mit den Hellerhöfen entsteht ein zukunftsweisendes Stück Stadt mit dringend benötigtem Wohnraum für rund 1000 Frankfurterinnen und Frankfurter. 

  • Humanitäre Arbeit noch möglich? "WIR SIND DOCH AUCH JEMAND!" Merkels neueste Geflügelte Worte

     Donezk: https://youtube.com/shorts/LPCnQvdDh9Q?si=Rw8xS7glgMHPR8_F

    Merkels neueste Geflügelte Worte: https://www.theguardian.com/world/live/2026/may/18/europe-eu-ukraine-russia-greenland-bulgaria-germany-latest-news-updates?shem=dsdf,sharefoc,agadiscoversdl,,sh/x/discover/m1/4

    Dazu meine Anmerkung: Diese dümmlichen Medienäußerungen, Merkel hätte uns vom russischen Gas abhängig gemacht, sind schlicht Fake. Bereits als die Kanzlerin noch fast ein Kind war, lieferte Russland treu das Gas, sogar während der ganz heißen Phasen des Kalten Krieges...Ihre verfehlte Anbiederung an Präsident Bush in Sachen Irak konnte ich glücklicherweise mit meiner Galtung-Zeitungsperformance in Hannover im Dunstkreis Schröders abbiegen... 😊❤️ 🎈 ip

  • Durch die Luft geschleudert: Schlüsselbeinbruch
    Klage gegen Polizeigewalt erfolgreich
    Verwaltungsgericht Berlin erklärt Einsatz der Berliner Polizei gegen Unterstützer der Letzten Generation für rechtswidrig
    Berlin/Braunschweig, 20.05.2026, 09:30 Uhr — Das Verwaltungsgericht Berlin hat gestern der Klage eines Unterstützers der ehemals Letzten Generation gegen das Land Berlin wegen rechtswidriger Polizeigewalt stattgegeben.

    Am 30.06.2022 hatte Edmund Schultz (62), Projektmanager aus Braunschweig, an einer Straßenblockade der Letzten Generation auf der A100, Abfahrt Steglitz, teilgenommen. Infolge der gewaltsamen Räumung erlitt er unter anderem einen Schlüsselbeinbruch. Nach übereinstimmenden Aussagen von drei Zeug:innen wurde er bei der Räumung von einem Polizisten mehrere Meter weit durch die Luft geschleudert, landete auf dem Gehweg und schlug mit dem Kopf gegen einen Telefonkasten. Eine vorherige Warnung oder Ansprache habe es nicht gegeben.

    Das Verwaltungsgericht urteilte nun, dass dieses Vorgehen „nicht erforderlich, in der Art und Weise rechtswidrig“ und ein solcher „Schwung unverhältnismäßig“ gewesen sei. (1) Weitere Verfahren können nun folgen und auch strafrechtliche Konsequenzen für den Beamten haben.

    Der Kläger Edmund Schultz war sichtlich erleichtert: „Die Polizei darf ihr Gewaltmonopol nicht missbrauchen. Immer wieder haben Einsätze der Polizei gegen Proteste der Letzten Generation zu Verletzungen geführt, obwohl diese konsequent gewaltfrei durchgeführt wurden.“ (Presseinfo)

    Dazu eine Anmerkung aus eigenem Erleben: Als über 200 gesunde Bäume am Ihme-Ufer Hannover für die Stadtwerke (heute enercity AG) abgeholzt werden sollten (und es daraufhin wurden) holte im Morgengrauen eine Sondereinheit die Demonstranten von den Bäumen. Ich sprach mit einem Mädchen in Gegenwart eines Polizisten, sie solle doch wegen der voraussichtlichen Gewaltanwendung freiwillig herunterkommen, was sie auch tat. Der Polizist begleitete sie dann mit einem völlig überflüssigen, unnötig schmerzhaften Griff in die Flanke vom Gelände... ip)

  • Tote auf dem Kreuzfahrtschiff? Diskussionstermine in der Provinz:
    Die Aktienkurse der Pharmaindustrie explodieren wiedermal. Dieses Mal durch den Hantavirus. Wodarg klärt auf.
  • Swetlana Geier: "Es gibt eigentlich keinen Unterschied zwischen Russen und Ukrainern"

    Ist die Ukraine eigentlich das russische Urland? 

    Swetlana Geier, die Grande Dame der russischen Übersetzer: Ja, das ist die sogenannte Kiewer Rus. Sie dauerte bis zum 12. Jahrhundert und war sehr wichtig. Erstens war es der einzige Zugang zu einem Meer. Zweitens lag es in Nachbarschaft zu Byzanz, und drittens war es ein ganz flaches Land, nach allen Seiten offen. Und im 12. Jahrhundert kamen die Mongolen. Und da hat Russland eigentlich Europa gerettet. 

    Weil das Land so groß war, dass die Mongolen nicht mehr weiter gezogen sind. Sie wollten ja bis Wien. Und als sie sich zweieinhalb Jahrhunderte später wieder zurückgezogen haben, war hier, in der Kiewer Rus, verbrannte Erde. 

    Eigentlich haben diese 250 Jahre, von 1200 bis zum 15. Jahrhundert, dem Russen das moralische oder sittliche Rückgrat gebrochen. Weil man sich daran gewöhnt hat, dass es keine Gerechtigkeit gibt. – Das ist nicht etwa meine Idee, das ist eine Meinung der Historiker. – Es wirkt sich dies heute noch auf unsere soziale Moral aus. 

    Das Gericht zum Beispiel fürchtet man wie die Hölle. Das Gericht hält man grundsätzlich für ungerecht. Und darunter leiden wir heute. Wir haben kein Verhältnis zur Demokratie. Wir sind für Demokratie absolut ungeeignet. Wir haben keinen Sinn für soziale Gerechtigkeit, wir glauben nicht daran.

    Das heißt, es gibt eigentlich keinen Unterschied zwischen Russen und Ukrainern?

    Als die Mongolenherrschaft vorüber war, ist von Russland nur das geblieben, was tief in den Wäldern lag. Wo die Mongolen, dieses Reitervolk, nicht hin konnten. Und das war Moskau. Es lag in undurchdringlichen Wäldern. 

    Und dann hat sich Moskau eben zu einem Primus unter lauter kleinen Fürstentümern entwickelt und ist unter dem Fürsten, der der Sammler, Kalita, hieß, gewachsen.

    Und seit Iwan dem Schrecklichen besteht ein Imperium mit dem Zentrum Moskau. Und von da an begann die Expansion, wurde der Ural überschritten und Sibirien einverleibt. 

    So wurden wir zu einem Sechstel des Erdballs. Die Ukraine nun war sozusagen der Hauptsitz der Mongolen gewesen, und die Sprache hat sich dort gewissermaßen konserviert.

    Das, was man Ukrainisch nennt, ist also Russisch, aber ein konserviertes Russisch. Es ist sozusagen Vorbarock – Ukrainisch verhält sich zu Russisch etwa wie Monteverdi zu Wagner. Es ist eine sehr, sehr schöne Sprache. Es hat natürlich dasselbe Alphabet, weil hier auch das erste Lehrkloster war. Aber es gibt Eigenheiten. 

    Die Vortreppe heißt beispielsweise auf Russisch kryl’zound auf Ukrainisch hanok. Die Russen können das «h» nicht sagen; Hölderlin, Hegel, Herzen heißen bei uns Gelderlin, Gegel, Gerzen. Die Ukrainer aber haben dieses «h». So erkennt man natürlich sofort am Dialekt, dass der Mensch aus der Ukraine ist. 

    Unter dem Sowjetregime gab es in der Ukraine Schulen mit Unterrichtssprache Russisch und Schulen mit Unterrichtssprache Ukrainisch. Entsprechend wurde es in allen größeren Städten der Nationalrepubliken gehandhabt – es waren deren elf zu der Zeit. 

    Russisch aber war – wie Englisch in allen englischen Kolonien – die Staatssprache und die Pflichtsprache. Ich ging in eine russische Schule und habe acht Stunden in der Woche ukrainische Sprache und Literatur gelernt, und in den ukrainischen Schulen hatte man acht Stunden russische Literatur und Sprache." (aus" Tatjana Geier - Ein Leben zwischen den Sprachen", aufgezeichnet von Taja Gut.)

    Eine europäische Verbundenheit gab es schon immer? Die Legende erzählt, daß drei Normannen Kiew regiert haben. Deren berittenes Gefolge wurde Rus genannt, so sei der Name Russland entstanden, berichtete Swetlana Geier. ip

    IP: Ukrainer und Russen, jetzt müssen sich die Geschwister gegenseitig abschlachten.

  • Triumph der Massenproduktion?

    1,51 Millionen Reisende starteten 2025 in Deutschland eine Kreuzfahrt

    Diese Pötte verschmutzten beim Anlegen in den romantischsten Orten der Welt die Luft. 

    Ebenso wie das Ausmaß materieller Vernichtung durch Autos bei weitem alles übertrifft. 

    Der Triumph der Massenproduktion hat mehr Menschenopfer gekostet als sämtliche Kriege. Die Gesamtzahl der Verletzten und Verkrüppelten ist sicher noch höher. 

    Täglicher Missbrauch von Stärke und Schnelligkeit erklärt auch die Toleranz gegenüber weiteren technologischen Bedrohungen. 

    Gewalt ist unser ständiger Begleiter. 

    (nach Lewis Mumford, The Pentagon of Power. In seinem Werk beschreibt er große Macht- und Verwaltungssysteme als „Megamaschinen“. Darin funktionieren Menschen wie austauschbare Zahnräder eines riesigen Apparats — etwa in Militärstaaten, Imperien oder modernen Technokratien. Er wollte Städte, die menschlich, gemeinschaftlich, kulturell lebendig und ökologisch sinnvoll sind. Viele heutige Debatten über soziale Medien, Datenkontrolle oder „smarte Städte“ erinnern stark an Mumfords Warnungen vor einer übermächtigen technischen Ordnung.) 

    Foto aus Taja Guts Zeitschrift "Individualität"

  • Sie wollen sich ohne Aberglauben informieren? BITTE SEHR:

    https://ontopraxiologie.de/russland-und-europa-auf-kollisionskurs/

    Geld von Pistorius und Aberglauben https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/villen-vetternwirtschaft-und-wahrsagerinne/

    Zum Holzmarktbrunnen Hannover (zusätzlich nach einem Eisenwarenhändler benannt) machten sich einst Beamte des Magistrats auf, mal innerhalb, mal außerhalb der Amtszeiten, um Geschäfte, die aufgedeckt zu werden drohten, mit dem dortigen Wunschring geheim zu halten. "Ich geh' zum Ding" war in einigen Amtstuben eine geläufige Redewendung, wenn ein Geschäft ins Stocken geraten war. Das Wort "ein Ding drehen" stammt aus ebenjener Zeit (nach Volker App). Auch 2026 lässt sich der goldene Wünschering noch drehen. Die ukrainische Regierung könnte also ein paar abergläubische Abgesandte rüberschicken? iptextfoto
  • ACHTSAM MORDEN -

    heißt der Krimiserien-Slogan auf einer Reklamewand. (Hier einer der Trailer dazu: https://youtu.be/ZDdijwdg7s8?si=2T5JAOI6QRZCPUUY. Etwa von der frauenfeindlichen buddhistischen Szene inspiriert, wo das Leiden im Gegensatz zum Christentum sozusagen Privatsache ist? Den Polizisten als "Staatsgewalt" geht es übrigens ähnlich wie dem Anwalt im Film. Sie müssen tagtäglich öde Jobs ausführen, Betrunkene abschleppen, sich im Rotlichtmilieu aufhalten, Verkehrssünder überführen, Verkehrsunfälle dokumentieren.)

    Darunter steht dann gleich auf dem nächsten Werbedisplay dazu passend, dass Mercedes noch stärker in die Rüstungsproduktion einsteigen will. Am besten "achtsam" morden können ja tatsächlich die Drohnen, wie man weiß... 

    Liebe Kinder, wenn ihr all das nicht versteht, so seid ihr kerngesund in dieser kranken Gesellschaft. ip

  • Pfingstgruß und Nachtrag zum "Vatertag": wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit
    Wohlauf in Gottes schöne Welt
    Lebe wohl, ade
    Die Luft ist blau und grün das Feld
    Lebe wohl, ade
    Die Berge glüh'n wie Edelstein
    Ich wandre mit dem Sonnenschein
    La la la la la la la
    Ins weite Land hinein
    La la la la la la la
    Ins weite Land hinein

    Du traute Stadt am Bergeshang
    Lebe wohl, ade
    Du hoher Turm, du Glockenklang
    Lebe wohl, ade
    Ihr Häuser alle, wohlbekannt
    Noch einmal wink' ich mit der Hand
    La la la la la la la
    Und nun seitab gewandt
    La la la la la la la
    Und nun seitab gewandt

    An meinem Wege fließt der Bach
    Lebe wohl, ade
    Der ruft den letzten Gruß mir nach
    Lebe wohl, ade
    Ach Gott, da wird so eigen mir
    So milde weh'n die Lüfte hier
    La la la la la la la
    Als wär's ein Gruß von dir
    La la la la la la la
    Als wär's ein Gruß von dir

    (In dem Dorf am Harzrand traf sich die Jugend unter den Linden zum abendlichen Gesang. Mein Vater nahm mich an die Hand und wir nahmen teil.)

  • Habt ihr heute schon die Blumen gegossen...?
    ip-Polaroid - man beachte die energiegeladene Faust
  • CSD-Termine

    Christopher Street Day (CSD) am 23. Mai in Hannover. Und noch eine kleine Auswahl aus hunderten weiterer CSD-Termine in Germany: 30. 5. Frankfurt/Oder, Wiesbaden, Osnabrück, Lüneburg, Wernigerode. 6.6. Dresden, Düsseldorf, Paderborn, Celle. 20.6. Göttingen, Heidelberg, Lutherstadt Wittenberg. 18.7. Frankfurt am Main.
    Gedenktafel am historischen Museum Hannover. ipfoto

  • Wurde Nazi-Eichmann wirklich hingerichtet?

    Die deutsche Journalistin Gaby Weber bemüht sich seit langem, die Eichmann-Akten in Argentinien frei zu bekommen, über dessen Prozess die umstrittene politische Theoretikerin Hannah Arendt berichtete, die den Schreibtisch-Massenmörder als hörigen Bürokraten darstellte. 

    Da Nazi-Eichmann völlig unbehelligt in Argentinien lebte, dann in einer spektakulären Polit-Aktion plötzlich festgenommen wurde, um von anderen politischen Verbrechen abzulenken (siehe Gabyweber.com), und zum Tode verurteilt wurde,  habe ich die Fantasie, dass er gar nicht gehängt wurde. Wurde er  wirklich "geopfert", weil er zu viel redete, wie Weber schrieb?

    Gibt es handfeste Beweise dafür, dass tatsächlich er es war, der hingerichtet wurde? ip

Ich = Ich + Du

Ich = Ich + Du

Jedes private Besitztum ist mit einer sozialen Hypothek belegt…

 

Von Unica Peters

 

Die hispanische Befreiungstheologin und Feministin Ada María Isasi-Díaz über „Solidarity – The Social Contract of the 21st Century“.

Prof. Isasi-Díaz verdeutlicht anhand der Leitwerte der französischen Revolution –liberté, égalité, fraternité die Notwendigkeit von Solidarität.

Der auf das Prinzip der Solidarität verweisende Wert der Brüderlichkeit ist laut Isasi-Díaz als einziger der drei Begriffe in unserer westlichen Welt nicht als Gesetz kodifiziert worden. Dabei ist Solidarität in Zeiten der Globalisierung unabdingbar, um Gerechtigkeit zu erreichen. Verstanden ist Solidarität hier als gemeinsame Verantwortung und gemeinsame Interessen. Bedürftige und Besitzende sind intrinsisch miteinander verbunden; Menschen sind soziale Wesen.

Wir gehen moralisch und auch wirtschaftlich zugrunde, wenn wir uns von den Menschen der „Dritten Welt“ nicht zum Nachdenken über unseren Lebensstandard herausfordern lassen. Zu ihnen stehen wir in einem beidseitigen Abhängigkeits-Verhältnis.

Wir tragen Verantwortung füreinander und haben Anspruch auf gegenseitige Unterstützung. Deswegen geht Solidarität ihrer Struktur nach deutlich über Wohltätigkeit hinaus, auch wenn Letztere nichts Schlechtes ist.

Solidarität bedeutet nicht, zu applaudieren, wenn Unterdrückte

für ihre Rechte kämpfen. Solidarität bedeutet, sich den kritischen

Anfragen und den Forderungen nach Unterstützung, mit denen

sie sich an uns Privilegierte wenden, zu stellen.

Dass die Armen und Schwachen dieser Welt solche Erwartungen

und Wünsche haben, beschrieb Ada María Isasi-Díaz am Beispiel

einiger katholischer Nonnen in einem ländlichen Teil Südamerikas,

die sie auf einer Reise besuchte.

Kurz vor der Abfahrt berichteten die Frauen, ihnen fehlten die Mittel,

um ihre jungen Schutzbefohlenen für die Schule auszurüsten.

Sie begnügten sich nicht damit, für ihr Engagement gelobt zu werden,

sondern sie baten Frau Isasi-Díaz, ihre persönlichen Möglichkeiten

der Unterstützung auszuschöpfen. Daraus wurde ein Spendenappell,

der einige Mittel einbrachte.

Das Entscheidende an der Situation war die gleichberechtigte Begegnung.

Spenden zu sammeln oder Protestbriefe zu schreiben ist kein Akt der

Güte und Muße, sondern das Eingeständnis, mit dem Rest der Welt verbunden zu sein.

Unser Ich ist nicht vollständig ohne ein Du.

Ohne unser Gegenüber sind wir nicht wir selbst.

Arme und unterdrückte Menschen existieren nicht unabhängig

von unserer Situation. Weil wir wir sind, sind sie sie.

Dabei gilt zu bedenken, dass Armut ein politisches Problem ist.

Wir haben uns unsere Privilegien nicht mit eigener Hand genommen.

Aber um wir selbst zu sein und uns selbst zu erkennen, müssen wir

uns unserer privilegierten Lebensumstände bewusst werden und

die Konsequenz daraus ziehen:

Wir sind moralisch dazu verpflichtet, Verantwortung für unseren

Reichtum zu übernehmen und uns für die Anliegen der Armen zu öffnen.

Die „Occupy“-Bewegung in den USA etwa hat die Diskussion über

den Kapitalismus verändert, und Frau Isasi-Díaz sympathisiert

mit der Idee einer „Occupy Faith“-Bewegung, die eine ähnliche

Gesellschaftskritik zugunsten eines fairen Miteinanders ins

Zentrum des christlichen Glaubens stellt.

Dem neoliberalen Trend der Privatisierung stellt sich

zum Beispiel die US-Finanzexpertin Elizabeth Warren entgegen,

die auch eine 2010 von Präsident Barack Obama bewilligte

Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte durchsetzte.

Schließlich fahren auch Millionäre, die sich aufgrund ihrer

finanziellen Mittel als über staatliche Versorgungssysteme

erhaben fühlen, auf Straßen, die mit Steuergeldern finanziert wurden.

Frau Isasi-Díaz erwähnte in diesem Zusammenhang auch die

Äußerung Johannes Paul des II., jedes private Besitztum sei mit einer sozialen Hypothek belegt.

Wie soll nun eine Befreiung aussehen?

Eine gesunde, solidarische (Welt-)gesellschaft zeichnet sich

für die Vortragende aus durch „fullness of life“.

Dies entspricht dem, was Indigene in Südamerika unter

el buen vivir verstehen: Gut (als Adverb verstanden!) zu leben

bedeutet demnach, dass Menschen, Gemeinschaften und

die Natur in Harmonie leben, einander respektieren und keine Gewinne

auf Kosten der anderen Mitglieder der Gemeinschaft anstreben.

Auch im Königreich Bhutan setzt man dem Gewinnstreben

andere Werte entgehen: statt dem Bruttosozialprodukt

ist hier das aus vier Säulen und acht Indexen basierende Prinzip des

„Bruttosozialglücks“ Maßstab für Glück und Zufriedenheit.

Das Beispiel des nach westlichen Maßstäben wirtschaftlich

unter­entwickelten Königreichs Bhutan wirft außerdem

die Frage nach Sinn und Ziel von Entwicklungspolitik,

und Entwicklungszusammenarbeit als Alternative, auf.

Martha Nussbaum, Philosophin und Professorin

für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago,

entwickelte in diesem Bereich in den 1980er Jahren gemeinsam

mit Amartya Sen den „Fähigkeiten-Ansatz“,

der Fähigkeiten (im Sinne von substantiellen Freiheiten wie einem

langen Leben, Beteiligung an wirtschaftlichen Transaktionen

und politischer Teilhabe) als konstitutive Bestandteile

von Entwicklung ansieht und Armut als Entzug von Fähigkeiten definiert.

Die von Isasi-Díaz aufgegriffenen Themen zeigen,

dass Solidarität auf der Ebene der Werte und Maßstäbe ansetzen muss.

Solidarität entsteht und wird notwendig, weil wir soziale Wesen sind.

Sie ist ein menschlicher, kein allein christlicher Wert.

Die anfangs erwähnte, beidseitige Beziehung zwischen

Angehörigen der Ersten und der Dritten Welt braucht

keine Intimität oder Vertrautheit, um funktionieren zu können.

Auch aus Gebieten, die weit von uns entfernt sind, erreichen

uns Botschaften, Ansprüche und Erwartungen.

Wir wissen um die Verknüpfungen unseres Wohlstandes

mit der Armut in der Welt. Wenn wir unserer Verantwortung

gerecht werden wollen, können wir

keinen „individuellen“ Weg gehen und uns

der beidseitigen Beziehung entziehen.

Aber auch in unterprivilegierten Gruppen entsteht

Solidarität nicht automatisch. Isasi-Díaz berichtete

hier von Latinas in den USA, die sich aufopfern,

um ihren Kindern den Besuch Oberschule oder

sogar der Universität zu ermöglichen.

Die nun gebildeteren Kinder schämen sich oft

für die Einfachheit ihrer Mütter, anstatt ihnen dankbar zu sein.

Als Einwanderer zweiter Generation meinen sie,

sich in die Erste Welt einkaufen und anpassen zu müssen.

Häufig entwickeln sie erst mit Heirat und Familiengründung

ein Bewusstsein dafür, dass ihre eigene Stellung

auf der Unterstützung der Müttergeneration beruht.

Im Sinne der Solidarität wäre es für diese jungen Amerikaner wichtig,

sich weiterhin in ihrer Herkunftsgemeinschaft verwurzelt zu sehen

und zu versuchen, dieses Prinzip der gegenseitigen Hilfe in ihrem

neuen gesellschaftlichen Umfeld zu etablieren.

 

Natürlich können wir nicht in allen Lebensbereichen gleichermaßen

Verantwortung für unsere Privilegien übernehmen und uns

solidarisch mit den sozial und wirtschaftlich Unterdrückten zeigen.

Aber wir können Schwerpunkte in einigen Bereichen setzen.

Auch unser Leben im materiellen Sinn zu vereinfachen kann helfen,

das „wir“ zu entdecken.

An dieser Stelle kommt eine wichtige Frage auf: Wie sollen

wir mit den Unterdrückern, den Reichen, umgehen?

Frau Isasi-Díaz stimmt zu, dass dies ein heikler Punkt sei.

Sie wies darauf hin, dass es auch unter den Superreichen Menschen gibt,

die sich in der Verantwortung sehen, etwa Warren Buffet und Bill und Melinda Gates,

die seit Jahren nicht nur die Zinsen, sondern auch die Substanz

ihres Vermögen in private Wohltätigkeitsstiftungen investieren.

Generell wird es aber wohl schwer sein, den Superreichen zu vermitteln,

dass sie den Rest der Gesellschaft (also sowohl uns als Mittelschicht,

als auch die Ärmsten) brauchen.

Ada María Isasi-Díaz bezeichnet sich denn auch ganz offen

als historische Utopistin, die fest an das „Wir“-Gefühl glaubt, weil sie es z.B. in indigenen Gemeinschaften erlebt hat.

Ada María Isasi-Díaz ist Prof. em. für Ethik und Theologie

an der Drew University, New Jersey.

Kontakt: aisasidi@drew.edu.

Homepage: http://users.drew.edu/aisasidi/.

Ihr neues Buch, das die im Vortrag vorgestellten Ideen entwickelt,

wird 2013 unter dem Titel Justicia:

A Reconciliatory Praxis of Care and Tenderness bei der Fortress Press erscheinen.


[2] http://en.wikipedia.org/wiki/Conacami, Abschnitt „Mission and Vision“,

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigreich_Bhutan,

Abschnitt „Wirtschaftliches Gefälle“, abgerufen ab 10.01.12.

Berichte über Bhutan gibt es laut Isasi-Díaz regelmäßig auf aljazeera.com.

[4] http://en.wikipedia.org/wiki/Martha_Nussbaum, Abschnitt „The Capability approach“,

Frau Isasi-Díaz empfiehlt hierzu auch Nussbaums 2000

bei der Cambridge University Press erschienenes Buch Women and Human Development.

Making Sex Revisted

Journalistisch hochinteressant fand ich vor einiger Zeit einen Artikel in der Hauszeitung der Medizinischen Hochschule Hannover, dass jährlich durchschnittlich 20 Geburten ohne genaue Geschlechtsbestimmung dort stattfinden (allein schon dort 20!). So habe zum Beispiel ein Mädchen eine zum Penis mit Hoden ausgebildete Klitoris. Die Haussoziologin bedauerte in einem ergänzenden Artikel, dass die gesellschaftlichen sexuellen Zuschreibungen den Eltern dieser Kinder das Leben schwer machen, weil das jeweilige Geschlecht gleich nach der Geburt mit einem Ballast von unterbewussten Zuordnungen bedacht wird.

Zu diesem Thema hat der hannoversche Diplom-Biologe Heinz-Jürgen Voß jetzt ein Buch im Rahmen seiner Promotion zum Dr.phil vorgelegt: Making Sex Revisted, Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive, erschienen bei transcript in Bielefeld. Voß lehrt zu Geschlecht und Biologie an verschiedenen Universitäten.

Voß beschreibt das „Ein-Geschlechter-Modell“ in der Antike, wonach der Mann die vollkommenere Version durch die nach außen gestülpten Geschlechtsteile ist. Aber auch die darauf folgende Einteilung in zwei Geschlechter sei gesellschaftlich bedingt.

Das Buch ist relativ mühsam zu lesen, ich habe es erst zur Hälfte durch, und in dieser wird vor allem der soziale Aspekt beleuchtet, den frau ja schon zur Genüge aus der feministischen Literatur (zum Beispiel von Judith Butler) kennt: Dass Aristoteles die Frau zum Mängelwesen erklärte und so weiter und so fort, nirgends ein toleranter Lichtblick in der Geschichte des weiblichen Geschlechts bis weit vor unsere Zeitrechnung zurück. Und wenn man das bei C.H. Beck erschienene Buch „Die Hälfte des Himmels“ kennt, weiß frau, dass das 21. Jahrhundert nicht besser ist. Auch die eigene Erlebenswelt lässt diesbezüglich keine Fragen offen.

Dabei soll es doch eigentlich in dem  Buch um den biologischen Aspekt von Menschen uneindeutigen Geschlechts gehen. Vielleicht wird das ja noch im zweiten Teil näher beschrieben.

Ich werde also zu gegebener Zeit diese Rezension ergänzen, dass das möglich ist,  ist ja das Schöne am Internet. ip

Zur Diskussion zur Verfügung steht auch das Blog
Das Ende des Sex: Biologisches Geschlecht ist gemacht

Interview mit Klaus Theweleit über Elternzeit

Die Quadratur des Kreises:
Wenn die Eltern
gemeinsam arbeiten und erziehen…

 

Es herrscht eine große Unlust unter den jungen Leuten, Kinder zu bekommen. Immer mehr potentielle Eltern trauen sich Kindererziehung überhaupt nicht mehr zu und haben Angst vor beruflichen und finanziellen Einschränkungen. Einen der Nestoren in Sachen Gleichberechtigung, Klaus Theweleit, Verfasser des  Buches „Männerphantasien“ über die männliche Eroberungskultur (Piper-Verlag), der kürzlich einen viel beachteten Vortrag mit anschließender Diskussion in Hannover dazu hielt, befragte ich dazu, wie Monika Theweleit und er ihr Familienleben gestaltet haben.
Als neueres Beispiel gleichberechtigter Kindererziehung dient ja auch Arbeitsministerin von der Leyen mit 7 Kindern und mithelfendem Mann. Zum Schluss Informationen ihres Ministeriums dazu.

Ingeburg Peters: Wie hat sich der Rollentausch über die Jahrzehnte hin auf Ihre Beziehung ausgewirkt?
Theweleit: „Rollentausch“ ist nicht ganz richtig. Es handelt(e) sich um Arbeitsteilung. Meine Frau hat halbtags in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gearbeitet, vormittags. Ich bin mit Sohn zu Hause geblieben und habe, so weit immer möglich, an meiner Dissertation gearbeitet. Regel dabei: das Kind geht vor.

Einer war immer für die Kinder da

Mittags habe ich gekocht; und das auch so beibehalten, als die Kinder (ein weiteres war dazugekommen) im Kindergarten und in der Schule waren. Nachmittags, wenn meine Frau zu Hause war, konnte ich die nötigen Bibliotheks-Besuche machen, Kopieren etc. oder auch mit den Kindern ins Schwimmbad gehen oder ähnliches. So war (mindestens) einer von uns immer für die Kinder da, manchmal auch beide. Seit die Kinder in Kindergarten bzw. Schule waren, lag meine tägliche sichere Zeit fürs Arbeiten zwischen morgens 8 Uhr (wenn alle aus dem Haus waren) und ca. 12 Uhr 30, wenn es Zeit fürs Kochen wurde. – wenn nicht eins der Kinder krank war und Arztbesuche anstanden. An den Wochenenden hat meine Frau überwiegend gekocht. Ich konnte etwas länger am Stück arbeiten. Abends dann meistens Besuche, Freunde, Kino oder ähnliches. Keine für abends eingeplante Arbeitszeit.

Zeiträume

diszipliniert nutzen

Diese Aufteilung der Arbeit mit den Kindern, Bringen zum und Abholen vom Kindergarten, Elternabende in der Schule, Anschauen der Hausaufgaben, Lernen mit den Kindern, wenn nötig, Kontakte mit anderen Eltern und den Freunden der Kinder,  und was sonst alles noch dazu gehört, haben wir 25 Jahre lang so praktiziert, dass größere Konflikte nicht entstanden. Ende der 70er Jahre begann meine Frau eine Ausbildung zur Psychoanalytikerin (DPV); das schloss eine mehrjährige Lehranalyse und abendliche Seminare ein; ich war dann zu Hause, was mir nicht sehr schwer fiel, da ich bis zu meinem 30. Lebensjahr so gut wie jeden Abend auswärts, in der Kneipe oder mit Freunden und Genossen verbracht habe; mein Bedarf in dieser Hinsicht also einigermaßen gedeckt war.
Weder hat die berufliche Weiterbildung meiner Frau, noch hat die Weiterentwicklung meines Schreibens unter den Arbeitsansprüchen des jeweils anderen gelitten.

Beide hatten ihre eigenen Bereiche

Eher im Gegenteil: zwar ist es unserer Meinung nach für eine solche funktionierende Arbeitsteilung unerlässlich, dass jede(r) seinen eigenen Bereich hat; die eigenen Kontakte und Freundschaften im eigenen Arbeitsbereich, wo der andere nichts hineinzureden hat.
Peters: Dennoch sind Sie der berühmtere Ehepartner geworden.
Theweleit: Im Lauf der 80er hat meine Frau neben der Kliniktätigkeit in eigener psychoanalytischer Praxis zu arbeiten begonnen; seit ca. 10 Jahren arbeitet sie nur noch selbstständig in ihrer Praxis. Umso schöner ist diese wechselseitige Selbstständigkeit, wenn beide Bereiche sich zusätzlich berühren bzw. überschneiden. So hat mein Schreiben, da zu großen Teilen psychoanalytisch ausgerichtet, immer von der Arbeit und den Kenntnissen meiner Frau profitiert. Konkret: sie ist die erste Leserin und Kritikerin der meisten meiner Texte (abgesehen von kleineren journalistischen Arbeiten, die manchmal auch so rausgehen). Während sie ebenso an den Weiterungen meiner Arbeit, besonders in den Kunstbereichen, partizipiert. Womit die Frage der „Berühmtheit“ angegangen wäre. Ich habe in meinen Büchern immer betont, dass meine spezifische Art zu Schreiben als ein Koprodukt aus unserer Art der Beziehung, nicht nur der intellektuellen, angesehen werden soll. Die Beziehung zu den Kindern eingeschlossen und die zu den Freunden auch (was manche Leser meiner Bücher „nervt“ – wozu immer die Erwähnung dieser Monika da; andere aber entsprechend anspricht). Denn: natürlich sind wir seit den frühen 70ern vorwiegend mit Leuten in Berührung (wenn auch seit Mitte der 80er nicht mehr in WG-artigen Wohnformen), die ein ähnliches Lebensmodell zu leben versuchen; also auf der Grundlage möglichster Gleichheit zwischen allen Beteiligten. Es gibt mehr solcher Menschen als man gemeinhin denkt (bzw. als das, was die Statistiken zu denken nahelegen). Diese Menschen leben allerdings in keiner Form irgendeiner öffentlichen Publicity.

Vergnügliches Lernen mit Kindern

Andererseits: mich hat es immer gewundert, dass nicht mehr Männer die Arbeit mit ihren Frauen entsprechend teilen. Es geht ja gar nicht darum, dass ein Teil für den anderen sein „öffentliches Leben“ total aufgibt; es geht durchaus für beide (auf den Pferdefuß komme ich gleich). Es sind auch nicht primär die beruflichen (angeblichen) Karrierehindernisse. Es sieht vielmehr so aus, dass ein Großteil der Männer seine etwas blöden Gratifikationen aus den jeweiligen Männerclubs, Sportclubs, Saufclubs, Raufclubs nicht aufgeben will – aus Angst, eine nähere Arbeits- und Lebensbeziehung zu ihren Frauen würde ihnen nichts Gleichwertiges bieten; so dass sie vor ihrer Männerhorde als irgendwie in ihrer Freiheit Beschnittene dastehen würden. Das hält Mann bei uns schlecht aus – und gibt sich mit den dürftigen (und oft auch konkurrenten und sehr neidischen) Pseudogratifikationen des allgemeinen Kerle-Vereins zufrieden. Tragisch (denn Männer sind in aller Regel nicht sehr freundlich untereinander)! Ihnen entgeht eine Menge, wovon sie nichts ahnen; besonders im engen Umgang mit Kindern, der für mich immer eine Quelle ständigen Lernens war; eines vergnüglichen Lernens.

Der Pferdefuß ist

die schlechte Rente

Der Pferdefuß? Nicht die Ungleichheit im »öffentlichen Bekanntsein«. Darauf war meine Frau nie scharf. Und ich reiße mich nicht um Talkshows. Der Nachteil liegt im Finanziellen. Halbtagsarbeit in der Klinik bedeutet: halbe Rente. Nicht bis 65 dort durchgearbeitet zu haben bedeutet: weitere Rentenminderung. Und Leben als Schriftsteller mit Künstlersozialkasse bedeutet: Rentenbeiträge auf unterster Stufe.
Von der Alterssicherung war bisher die Arbeitsteilung in der Kindererziehung in den meisten Fällen nachteilig, von der Arbeitsform her aber bestens.

 

Und hier der
neueste Stand der Rechtslage

Zur Berücksichtigung von

Kindererziehungszeiten

in der Rentenversicherung:

Zeiten der Kindererziehung nach § 56 Sechstes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI) führen für Mütter und Väter in der gesetzlichen Rentenversicherung zur Versicherungspflicht. Die Rentenbeiträge dafür werden nicht vom Versicherungspflichtigen, sondern vom Bund gezahlt.
Diese Zeiten wirken rentenbegründend und rentensteigernd wie Pflichtbeitragszeiten aufgrund einer Erwerbstätigkeit. Bei Geburten vor 1992 umfasst die Kindererziehungszeit ein Jahr, bei Geburten ab 1992 beträgt sie drei Jahre. Sie werden mit 100 Prozent des Durchschnittsentgeltes aller Versicherten im jeweiligen Erziehungsjahr bewertet.
Die Zeiten der Kindererziehung können selbst dann angerechnet werden, wenn die Eltern während dieser Zeit einem anderen Alterssicherungssystem angehört haben. Voraussetzung ist jedoch, dass sie in dem anderen Alterssicherungssystem nicht annähernd gleich berücksichtigt werden wie in der gesetzlichen Rentenversicherung. Von dieser neuen Regelung profitieren vor allem Mitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen.
Anmerkung der Redaktion: Berufsständische Versorgung im engeren Sinne ist die auf einer gesetzlichen Pflichtmitgliedschaft beruhende Altersversorgung für kammerfähige freie Berufe (Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater beziehungsweise Steuerbevollmächtigte, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer, Zahnärzte sowie Psychologische Psychotherapeuten  und Ingenieure).
Die Kindererziehungszeit wird nur einem Elternteil zugeordnet – demjenigen, der das Kind überwiegend erzogen hat. Erziehen die Eltern ihr Kind gemeinsam, ohne dass der Erziehungsanteil eines Elternteils überwiegt, erhält grundsätzlich die Mutter die Kindererziehungszeit. Soll der Vater die Kindererziehungszeit erhalten, obwohl er das Kind nicht überwiegend erzieht, müssen sie für die Zukunft eine übereinstimmende gemeinsame Erklärung abgeben. Diese Erklärung kann auch rückwirkend, höchstens jedoch für zwei Kalendermonate, abgegeben werden.
Neben Beitragszeiten wegen Kindererziehung können Eltern auch sogenannte Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung nach § 57 SGB VI erhalten. Diese erleichtern den Zugang zu einer Rente. Die Berücksichtigungszeit für Kindererziehung beginnt mit dem Tag der Geburt und endet mit dem Monat der Vollendung des zehnten Lebensjahres des Kindes.
Kinderberücksichtigungszeiten werden wie Kindererziehungszeiten nur einem Elternteil zugeordnet – demjenigen, der das Kind überwiegend erzogen hat.