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  • Handeln statt Hoffen

    Frankfurt. Mehr als 515.000 Frankfurterinnen und Frankfurter können bei der Kommunalwahl am 15. März mitentscheiden über die künftige Stadtpolitik. Ihre Stimmen nutzen werden bei der Kommunalwahl erfahrungsgemäß höchstens rund die Hälfte davon. Das Stadtparlament wählen dürfen alle mit deutschem Pass oder EU-Staatsangehörigkeit. Einwohnerinnen und Einwohner, auf die das nicht zutrifft, können die Kommunale Ausländervertretung wählen, welche nur beratende Funktion hat. Umso wichtiger ist eine hohe Beteiligung aller Wahlberechtigten. Hier will das neue Frankfurter Aktionsbündnis für Demokratie FAKD mobilisieren. Es besteht aus fünf etablierten Frankfurter Organisationen und Bildungsträgern: berami e.V., DIKOM e.V., infrau e.V., jumpp – Frauenbetriebe e.V. und KUBI gGmbH.

    Wen will ich wählen?

    „Teilhabe erleben, mitwirken können, gehört werden: Das sind die schönen Seiten demokratischer Kultur“, betont das FAKD-Team. Alle, die Lust haben, können einfach mitdiskutieren und sich eine Meinung bilden. Die Veranstaltung trägt den Titel Vielfalt, Teilhabe, Bildung und Arbeit. Frankfurt: eine Stadt für alle?

    Sie ist öffentlich und findet am Mittwoch, 25. Februar, 17 bis 19 Uhr in der Evangelischen Akademie, Römerberg 9, 60311 Frankfurt statt.

    Als Gäste aus der Frankfurter Politik haben zugesagt: Hilime Arslaner, Stadtverordnete, Grüne; Tiara-Maria Mengel, Kandidatin Kommunalwahl, Volt; Sylvia Kunze, Stadtverordnete, SPD; Daniela Mehler-Würzbach, Stadtverordnete, Die Linke; Isabel Schnitzler, Stadtverordnete, FDP; Sara Steinhardt, Stadtverordnete, CDU.

    Kontakt: Frankfurter Aktionsbündnis für Demokratie FAKD, beramí berufliche Integration e.V., DIKOM e.V., infrau e.V.,jumpp – Frauenbetriebe e.V. und KUBI gGmbH, E-Mail: fakd@kubi.info. Das FAKD-Positionspapier: https://kubi.info/fakd/

  • UN kritisiert Verfahrenseröffnung wegen Krimineller Vereinigung

    Nach der Mitteilung der (ehemals) Letzten Generation über die Eröffnung des Hauptverfahrens wegen der angeklagten Bildung einer kriminellen Vereinigung nach § 129 StGB folgt breite Unterstützung: Zahlreiche Persönlichkeiten kritisierten das Vorgehen der Behörden öffentlich. Bereits 21.000 Euro Spenden für die Prozesskosten gingen ein. Nun findet auch Mary Lawlor, UN-Sonderberichterstatterin zur Lage von Menschenrechtsverteidiger:innen beim UN-Menschenrechtsrat klare Worte und unterstreicht damit die Warnung der Aktivist:innen vor der Gefahr solchen staatlichen Vorgehens für die Demokratie in Deutschland:

    “Ich bekräftige erneut meine große Besorgnis über die Anwendung des § 129 StGB in diesem Fall, der dazu missbraucht wird, gewaltfreie Handlungen zu sanktionieren, die ausschließlich von völlig legitimen Anliegen in Bezug auf die Klimakrise und die Menschenrechte motiviert sind.” [übersetzt, 1]

    Weiter verweist Lawlor auf ihren letzten Bericht an die UN Generalversammlung, in dem sie das Verfahren in Potsdam als “Teil eines breiteren Trends der Unterdrückung legitimen Klimaprotestes in Europa und weltweit” kritisiert. “Das ist ein Weg in die Zerstörung, und die Staaten müssen ihren Kurs ändern.” [übersetzt, 2]

    Bereits zuvor hatten fünf Sonderberichterstatter:innen der UN in einem Schreiben an die Bundesregierung zu den §129-Verfahren vor diesen Gefahren gewarnt. Auch Amnesty International kritisiert das Verfahren im Rahmen der Kampagne “Protect the Protest”. [3,4]

    Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) meldet sich ebenfalls zu Wort zur Verfahrenseröffnung: “Der Straftatbestand des § 129 StGB ist eigentlich zur Bekämpfung geheim agierender krimineller Strukturen bestimmt – nicht, um offen auftretende Protestbewegungen zu verfolgen. Vom friedlichen Protest der Letzten Generation geht keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit aus. Dass das Landgericht dennoch das Hauptverfahren eröffnet, wirkt extrem einschüchternd auf die Zivilgesellschaft.”

    “Es ist überwältigend zu sehen, wie viele Menschen bereit sind, uns zu unterstützen. Unsere Gesellschaft und unsere Demokratie leben! Wir müssen nur den Mut finden, uns zusammenzutun und für Veränderung aufzustehen.”, sagt Henning Jeschke, einer der Beschuldigten. “Persönlich berührt mich die Unterstützung sehr. Der Prozess soll uns einschüchtern, aber wir sind darin nicht alleine, das gibt mir Kraft, weiter für eine bessere Welt einzustehen.”

    Die Gruppe ruft alle Menschen dazu auf, öffentlich Stellung zu beziehen. Sie bedankt sich für die Spenden und stellt klar: “Dies ist kein Verfahren gegen eine kleine Gruppe an Menschen, es ist ein Verfahren gegen zivilgesellschaftliches Engagement, und damit gegen uns alle.”

    Dazu mein Kommentar: Der Großmeister sogenannten "Gewaltlosen Widerstands", Mahatma Gandhi, wird bis heute gefeiert, und Indien schenkte Hannover anlässlich einer Hannover-Messe eine riesige Büste als Denkmal nahe dem Maschteich, an dem heute noch Menschen Blumen niederlegen. Gandhi schickte eine erkleckliche Anzahl Inder vor die Gewehre der Engländer und versicherte sich dabei vor allem der Aufmerksamkeit von (englischen) Medien. Die Konflikte sprangen auf Pakistan über, wo Millionen Menschen ihr Leben ließen, während Gandhis "kriminelle Vereinigung?" schamlos die Administration der verjagten Engländer übernahm... iptextfoto
  • Gespräche in den Bibliotheken

    Hannover(März_Programm_Stadtbibliothek.pdf) https://www.google.com/url?q=https://presse.hannover-stadt.de/AttachmentDownload.cfm?pmid%3D29720%26aid%3D32528%26csm%3D0ACF0AABDC7C9F3617A835528A7A9ACC8DC91246&source=gmail&ust=1770892253533000&usg=AOvVaw1RrU_usckxQqHSXEvXSkrp

  • Die Marktkirche wird wegen NATO-Übung eingegittert

    Hannover. Aufgrund der NATO-Übung  „Steadfast Dart 2026" (auf Deutsch "Standhafter Pfeil") werden am 19. Februar von 11 bis 24 Uhr im Innenstadtbereich mehrere Straßen gesperrt und Halteverbotszonen eingerichtet. Auch auf dem Opernplatz und dem Schützenplatz wird es zu Einschränkungen kommen. Der Bereich rund um die Marktkirche (Am Markte, Hanns-Lilje-Platz, Bohlendamm) wird eingegittert. Durchgänge Richtung Altstadt sind vorhanden. 

  • Happy Ramadan
    ffm. Am Dienstag, 17. Februar, beginnt für Menschen muslimischen Glaubens der Fastenmonat Ramadan. Wie in den vergangenen beiden Jahren beleuchtet die Stadt Frankfurt aus diesem Anlass die Große Bockenheimer Straße („Freßgass‘“) mit Halbmonden, Sternen und Fanoos-Laternen sowie dem Schriftzug „Happy Ramadan“.
  • Wie Grönland zum Wasserstoff kam...

    Falkensee, Rabenweg: 2023 hat der Künstler Achim von Boxberg nach 30 Jahren wundervoller Inhalte den letzten Rabenschnabel-Kalender herausgebracht, schluchz. Wer eine Sammlung dieser Kleinodien vervollständigen möchte, schreibe eine E-Mail an kalender@rabenschnabel.de und welche Kalender Ihr möchtet. Hier ein Text aus dem Kalender 2013 über Grönland:

    'Die Erde hat zwei Lecks: Das Weltall und den Untergrund der Kontinente. Seit 4 Milliarden Jahren haben sich die Ozeane um ein Viertel ihres Wassers entleert. Auf den Kontinenten gibt es Orte, die Wasser aus den Ozeanen binden. Das Gestein in Grönland gehört zu den ältesten der Welt, es bildete sich vor 3 Milliarden Jahren im Grund eines Urozeans - also etwa 700 Millionen Jahre nach der Entstehung der Erde. Die Analyse der Minerale im Fels ergab Erstaunliches: Die Zusammensetzung des Meeresgesteins unterschied sich deutlich von heutigen Proben: Insbesondere war wesentlich weniger Deuterium enthalten, eine Variante von Wasserstoff. Wasserstoff (H) bildet zusammen mit Sauerstoff (O) Wasser (H2O). Tief im Meeresgrund verbindet sich Wasser mit Mineralien. Umwälzungen im Erdinneren befördern die Minerale in die Knautschzonen der Erdplatten, wo Vulkane die Minerale ausspucken - sie erstarren schließlich zu Erdkruste. Anstatt als Wasser im Meer zu schwappen, lagern die Wasserstoffteilchen nun im Gestein der Kontinente.

    Außerdem verschwinden jährlich rund 100.000 Tonnen Wasserstoff ins All. Das verschwundene Wasser könnte den gesamten Atlantik füllen - und den Meeresspiegel um 800 Meter heben.

    Bakterien spalten Wasser auf, so dass Wasserstoff als Bestandteil von Methangas in die Luft entfleucht. Das Gas steigt in die Luft bis in die Stratosphäre, wo es von energiereicher Sonnenstrahlung in seine Einzelteile zerlegt wird. Wasserstoff als leichtestes Element überhaupt entschwebt darauf ins All - und kann damit nicht wieder als Wasser in die Ozeane zurückkehren. Die Meere werden immer kleiner.'

  • Gedanken aus dem Eis an den kommenden Frühling

    Prosalyrik von ip

    Irgendwann wird es Frühling.

    Dann sitzen die jungen Leute am Ufer,

    und in ihrer Hand glänzt der Smartphone-Bildschirm.


    Die Natur ist zart, flexibel, nachgiebig, ruhig.

    Das kannst du aber nur ohne Smartphone erleben.

    Auch nicht den Gesang der Vögel beim Radfahren. 


    Oder die Schmetterlinge mit den großen Augen. 

    Oder die violetten Beeren mit gelben Hütchen. 

    Überall werden Radwege zulasten der Fußgänger ausgebaut.

    Überall diese blinkenden Bildschirme...

  • Geflüchtet

    Hannover. Ukrainerin: "Mein Sohn war 17. Er sollte nicht für diesen sinnlosen Krieg sterben. Jetzt ist er 21. Wir sind als gesamte Familie nach Deutschland geflüchtet. Mein Mann hat dafür seine Selbstständigkeit mit einem Elektrogeschäft in der Ukraine aufgeben müssen. 

    Er arbeitet hier als Kraftfahrer. Ich habe die zweijährige Pflegefachkraftausbildung absolviert. Meine ältere Tochter will Zahnärztin werden, lernt aber als Arzthelferin in einer Zahnarztpraxis noch ein Jahr lang besser Deutsch, ehe sie studiert. Unsere Kleine ist in der zweiten Klasse."

    Dazu meine Anmerkung: Wenn mir dann noch ein ukrainisch-hannoverscher Hausmeister anvertraut, er sei studierter Mathematiker, oder eine Putzfrau aus Polen, sie habe dort in einer Kunstschule Keramikskulpturen gefertigt, schäme ich mich unsäglich für all das Flüchtlingsleid, das Menschen angetan wird, auch weil es die meisten weltweit noch viel viel härter getroffen hat. ip

  • Bertha von Suttner: Krieg ist kein Heldentum, sondern menschliche Katastrophe. Buddha: ergreife keinen Beruf, der anderen schadet (z. B. Waffenhandel, Betrug).

    Hannover. Am Donnerstag spricht Prof. Dr. Sönke Neitzel, Inhaber Lehrstuhl für Militärgeschichte / Kulturgeschichte der Gewalt an der Universität Potsdam, in der Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne zum Thema "Auf dem Weg zur Kriegstüchtigkeit - Anspruch, Wirklichkeit und die strategischen Lücken dazwischen". Die Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung ist ausgebucht.

    Bundeskanzler Konrad Adenauer hat sich seinerzeit erfolglos stark gemacht für eine Wiedervereinigung Deutschlands...

  • Augenzeugin über das von den Alliierten nach dem 2.Weltkrieg "zur Strafe" zerbombte Berlin:

     "Der helle Frühlingstag, wo Hunderte von Bombenflugzeugen ihr Feuer in die Stadt geworfen hatten, bis sich der Himmel von schwarzem Rauch so verdunkelt hatte, als sei es Nacht geworden. Am Abend, nach diesem Chaos, wo die Straßen nach Gas rochen, weil die Rohre der Gasleitungen kaputt waren, ging ich an einer frischen, noch rauchenden Häuserruine vorüber, und in diesen schwarzen, zerstörten Mauern ertönte ein lautes, unheimliches Rauschen. Aus einem zerbrochenen Rohr floss das Wasser in diesen unendlich traurigen und verzweiflungsvollen Abend hinaus."

  • Mein Wunsch zum Sonntag - Miteinander reden:

    Israel mit Palästina, Iran mit USA, Russland mit Ukraine usw..Wenn der Hass sich weiter durchsetzt, nützen auch die eroberten Territorien nichts mehr. ip

  • Neues zum Fall Anette W. und Töchter

    Hannover/JVA Hildesheim. "Update von Sonja Howard, Organisatorin: Dank eurer Spenden konnten wir Verfassungsbeschwerde einlegen – einmal regulär, einmal als Eilantrag. Das Justizministerium Niedersachsen hat das Gnadengesuch für Anette abgelehnt, weil es sich in seiner Argumentation zu 100 % an den (an den Haaren herbeigezogenen) Ausführungen des OLG Celle orientiert hat, anstatt sich die Arbeit zu machen, den Fall ordentlich zu überprüfen. Auch wieder dank eurer Spenden konnte der Anwalt von Anette durchsetzen, dass zumindest Mutter und Tochter Julia per Zoom Kontakt aufnehmen dürfen. Auch wenn das für viele (verständlicherweise) lächerlich wenig erscheint, war es für Anette und ihre Tochter ein riesiges Highlight, sich nach fast drei Monaten zum ersten Mal wieder (digital) zu sehen – miteinander sprechen zu können und sich darauf zu freuen, sich eines Tages wieder in den Arm nehmen zu dürfen. Und genau deshalb brauchen wir euch weiterhin: Wir sind leider noch lange nicht so weit, dass Mutter und Tochter wieder zusammenleben können. Solche Justizskandale sind unfassbar aufwändig, ziehen sich über Monate oder Jahre – und können finanziell schnell in den sechsstelligen Bereich gehen. Wenn ihr könnt, unterstützt die Spendenaktion bitte weiterhin. Und mindestens genauso wichtig: Teilt sie, damit noch mehr Menschen davon erfahren. Anette W. sitzt bis Ende April im Gefängnis – ohne jemals eine Straftat begangen zu haben, ohne ihre Kinder misshandelt oder vernachlässigt zu haben, ohne überhaupt verurteilt worden zu sein. Sie sitzt in Ordnungshaft wegen eines richterlichen Beschlusses, der seit Jahren jegliche Kinderrechte mit Füßen tritt. Ein Beschluss, der darauf basiert, den Kindeswillen mit Polizeigewalt zu brechen und Kinder gegen ihren Willen zu zwingen, bei dem Mann zu leben, der für diese (staatliche) Gewalt maßgeblich verantwortlich ist. Welches Kind würde jemals bei einem Elternteil leben wollen, der staatliche Systeme nutzt, um derart Macht auszuüben? Wie kann irgendeine Behörde oder Justiz ernsthaft behaupten, dass so jemand erziehungsfähig bzw. am Kindeswohl interessiert ist? Das ist Patriarchat in Reinstform. Anette sitzt nur deshalb im Gefängnis und ist von dem einen Kind seit Jahren getrennt, von dem anderen seit ein paar Monaten, weil ein Mann es NICHT verkraftet hat, dass seine Kinder lieber bei der Mama leben wollten. Wäre dieser Mann einer von den Vätern gewesen, die sich nach einer Trennung einen Dreck um ihre Kinder scheren und einfach abgehauen wären, dann würden Anette und ihre Töchter seit Jahren ein ganz normales Leben leben. Keine Behörde und kein Familiengericht hätte diese Familie überhaupt jemals auf dem Schirm gehabt. Aber weil ein Mann das vehemente, über Jahre klar geäußerte NEIN seiner Töchter missachtet hat, konnte das alles überhaupt erst so eskalieren. Und weil ein staatliches System sich zum Helfer dieser massiven Nachtrennungsgewalt gemacht hat. (Sämtliche Einzelpersonen – von Sachbearbeitern bis zu einer Richterin –, die einen Kurswechsel im Sinne der Kinderrechte vornehmen wollten, wurden nachweislich von dem Fall abgezogen oder übergangen.) Es gäbe natürlich viel mehr zum aktuellen Stand der Dinge zu berichten, aber hier hoffen wir auf eure Geduld und bedanken uns nochmals für euer krasses Vertrauen und euren unerschütterlichen Glauben an Gerechtigkeit." Sonja Howard, Organisatorin, Bonn, Nordrhein-Westfalen. 

Ich = Ich + Du

Ich = Ich + Du

Jedes private Besitztum ist mit einer sozialen Hypothek belegt…

 

Von Unica Peters

 

Die hispanische Befreiungstheologin und Feministin Ada María Isasi-Díaz über „Solidarity – The Social Contract of the 21st Century“.

Prof. Isasi-Díaz verdeutlicht anhand der Leitwerte der französischen Revolution –liberté, égalité, fraternité die Notwendigkeit von Solidarität.

Der auf das Prinzip der Solidarität verweisende Wert der Brüderlichkeit ist laut Isasi-Díaz als einziger der drei Begriffe in unserer westlichen Welt nicht als Gesetz kodifiziert worden. Dabei ist Solidarität in Zeiten der Globalisierung unabdingbar, um Gerechtigkeit zu erreichen. Verstanden ist Solidarität hier als gemeinsame Verantwortung und gemeinsame Interessen. Bedürftige und Besitzende sind intrinsisch miteinander verbunden; Menschen sind soziale Wesen.

Wir gehen moralisch und auch wirtschaftlich zugrunde, wenn wir uns von den Menschen der „Dritten Welt“ nicht zum Nachdenken über unseren Lebensstandard herausfordern lassen. Zu ihnen stehen wir in einem beidseitigen Abhängigkeits-Verhältnis.

Wir tragen Verantwortung füreinander und haben Anspruch auf gegenseitige Unterstützung. Deswegen geht Solidarität ihrer Struktur nach deutlich über Wohltätigkeit hinaus, auch wenn Letztere nichts Schlechtes ist.

Solidarität bedeutet nicht, zu applaudieren, wenn Unterdrückte

für ihre Rechte kämpfen. Solidarität bedeutet, sich den kritischen

Anfragen und den Forderungen nach Unterstützung, mit denen

sie sich an uns Privilegierte wenden, zu stellen.

Dass die Armen und Schwachen dieser Welt solche Erwartungen

und Wünsche haben, beschrieb Ada María Isasi-Díaz am Beispiel

einiger katholischer Nonnen in einem ländlichen Teil Südamerikas,

die sie auf einer Reise besuchte.

Kurz vor der Abfahrt berichteten die Frauen, ihnen fehlten die Mittel,

um ihre jungen Schutzbefohlenen für die Schule auszurüsten.

Sie begnügten sich nicht damit, für ihr Engagement gelobt zu werden,

sondern sie baten Frau Isasi-Díaz, ihre persönlichen Möglichkeiten

der Unterstützung auszuschöpfen. Daraus wurde ein Spendenappell,

der einige Mittel einbrachte.

Das Entscheidende an der Situation war die gleichberechtigte Begegnung.

Spenden zu sammeln oder Protestbriefe zu schreiben ist kein Akt der

Güte und Muße, sondern das Eingeständnis, mit dem Rest der Welt verbunden zu sein.

Unser Ich ist nicht vollständig ohne ein Du.

Ohne unser Gegenüber sind wir nicht wir selbst.

Arme und unterdrückte Menschen existieren nicht unabhängig

von unserer Situation. Weil wir wir sind, sind sie sie.

Dabei gilt zu bedenken, dass Armut ein politisches Problem ist.

Wir haben uns unsere Privilegien nicht mit eigener Hand genommen.

Aber um wir selbst zu sein und uns selbst zu erkennen, müssen wir

uns unserer privilegierten Lebensumstände bewusst werden und

die Konsequenz daraus ziehen:

Wir sind moralisch dazu verpflichtet, Verantwortung für unseren

Reichtum zu übernehmen und uns für die Anliegen der Armen zu öffnen.

Die „Occupy“-Bewegung in den USA etwa hat die Diskussion über

den Kapitalismus verändert, und Frau Isasi-Díaz sympathisiert

mit der Idee einer „Occupy Faith“-Bewegung, die eine ähnliche

Gesellschaftskritik zugunsten eines fairen Miteinanders ins

Zentrum des christlichen Glaubens stellt.

Dem neoliberalen Trend der Privatisierung stellt sich

zum Beispiel die US-Finanzexpertin Elizabeth Warren entgegen,

die auch eine 2010 von Präsident Barack Obama bewilligte

Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte durchsetzte.

Schließlich fahren auch Millionäre, die sich aufgrund ihrer

finanziellen Mittel als über staatliche Versorgungssysteme

erhaben fühlen, auf Straßen, die mit Steuergeldern finanziert wurden.

Frau Isasi-Díaz erwähnte in diesem Zusammenhang auch die

Äußerung Johannes Paul des II., jedes private Besitztum sei mit einer sozialen Hypothek belegt.

Wie soll nun eine Befreiung aussehen?

Eine gesunde, solidarische (Welt-)gesellschaft zeichnet sich

für die Vortragende aus durch „fullness of life“.

Dies entspricht dem, was Indigene in Südamerika unter

el buen vivir verstehen: Gut (als Adverb verstanden!) zu leben

bedeutet demnach, dass Menschen, Gemeinschaften und

die Natur in Harmonie leben, einander respektieren und keine Gewinne

auf Kosten der anderen Mitglieder der Gemeinschaft anstreben.

Auch im Königreich Bhutan setzt man dem Gewinnstreben

andere Werte entgehen: statt dem Bruttosozialprodukt

ist hier das aus vier Säulen und acht Indexen basierende Prinzip des

„Bruttosozialglücks“ Maßstab für Glück und Zufriedenheit.

Das Beispiel des nach westlichen Maßstäben wirtschaftlich

unter­entwickelten Königreichs Bhutan wirft außerdem

die Frage nach Sinn und Ziel von Entwicklungspolitik,

und Entwicklungszusammenarbeit als Alternative, auf.

Martha Nussbaum, Philosophin und Professorin

für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago,

entwickelte in diesem Bereich in den 1980er Jahren gemeinsam

mit Amartya Sen den „Fähigkeiten-Ansatz“,

der Fähigkeiten (im Sinne von substantiellen Freiheiten wie einem

langen Leben, Beteiligung an wirtschaftlichen Transaktionen

und politischer Teilhabe) als konstitutive Bestandteile

von Entwicklung ansieht und Armut als Entzug von Fähigkeiten definiert.

Die von Isasi-Díaz aufgegriffenen Themen zeigen,

dass Solidarität auf der Ebene der Werte und Maßstäbe ansetzen muss.

Solidarität entsteht und wird notwendig, weil wir soziale Wesen sind.

Sie ist ein menschlicher, kein allein christlicher Wert.

Die anfangs erwähnte, beidseitige Beziehung zwischen

Angehörigen der Ersten und der Dritten Welt braucht

keine Intimität oder Vertrautheit, um funktionieren zu können.

Auch aus Gebieten, die weit von uns entfernt sind, erreichen

uns Botschaften, Ansprüche und Erwartungen.

Wir wissen um die Verknüpfungen unseres Wohlstandes

mit der Armut in der Welt. Wenn wir unserer Verantwortung

gerecht werden wollen, können wir

keinen „individuellen“ Weg gehen und uns

der beidseitigen Beziehung entziehen.

Aber auch in unterprivilegierten Gruppen entsteht

Solidarität nicht automatisch. Isasi-Díaz berichtete

hier von Latinas in den USA, die sich aufopfern,

um ihren Kindern den Besuch Oberschule oder

sogar der Universität zu ermöglichen.

Die nun gebildeteren Kinder schämen sich oft

für die Einfachheit ihrer Mütter, anstatt ihnen dankbar zu sein.

Als Einwanderer zweiter Generation meinen sie,

sich in die Erste Welt einkaufen und anpassen zu müssen.

Häufig entwickeln sie erst mit Heirat und Familiengründung

ein Bewusstsein dafür, dass ihre eigene Stellung

auf der Unterstützung der Müttergeneration beruht.

Im Sinne der Solidarität wäre es für diese jungen Amerikaner wichtig,

sich weiterhin in ihrer Herkunftsgemeinschaft verwurzelt zu sehen

und zu versuchen, dieses Prinzip der gegenseitigen Hilfe in ihrem

neuen gesellschaftlichen Umfeld zu etablieren.

 

Natürlich können wir nicht in allen Lebensbereichen gleichermaßen

Verantwortung für unsere Privilegien übernehmen und uns

solidarisch mit den sozial und wirtschaftlich Unterdrückten zeigen.

Aber wir können Schwerpunkte in einigen Bereichen setzen.

Auch unser Leben im materiellen Sinn zu vereinfachen kann helfen,

das „wir“ zu entdecken.

An dieser Stelle kommt eine wichtige Frage auf: Wie sollen

wir mit den Unterdrückern, den Reichen, umgehen?

Frau Isasi-Díaz stimmt zu, dass dies ein heikler Punkt sei.

Sie wies darauf hin, dass es auch unter den Superreichen Menschen gibt,

die sich in der Verantwortung sehen, etwa Warren Buffet und Bill und Melinda Gates,

die seit Jahren nicht nur die Zinsen, sondern auch die Substanz

ihres Vermögen in private Wohltätigkeitsstiftungen investieren.

Generell wird es aber wohl schwer sein, den Superreichen zu vermitteln,

dass sie den Rest der Gesellschaft (also sowohl uns als Mittelschicht,

als auch die Ärmsten) brauchen.

Ada María Isasi-Díaz bezeichnet sich denn auch ganz offen

als historische Utopistin, die fest an das „Wir“-Gefühl glaubt, weil sie es z.B. in indigenen Gemeinschaften erlebt hat.

Ada María Isasi-Díaz ist Prof. em. für Ethik und Theologie

an der Drew University, New Jersey.

Kontakt: aisasidi@drew.edu.

Homepage: http://users.drew.edu/aisasidi/.

Ihr neues Buch, das die im Vortrag vorgestellten Ideen entwickelt,

wird 2013 unter dem Titel Justicia:

A Reconciliatory Praxis of Care and Tenderness bei der Fortress Press erscheinen.


[2] http://en.wikipedia.org/wiki/Conacami, Abschnitt „Mission and Vision“,

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigreich_Bhutan,

Abschnitt „Wirtschaftliches Gefälle“, abgerufen ab 10.01.12.

Berichte über Bhutan gibt es laut Isasi-Díaz regelmäßig auf aljazeera.com.

[4] http://en.wikipedia.org/wiki/Martha_Nussbaum, Abschnitt „The Capability approach“,

Frau Isasi-Díaz empfiehlt hierzu auch Nussbaums 2000

bei der Cambridge University Press erschienenes Buch Women and Human Development.

Interview mit Klaus Theweleit über Elternzeit

Die Quadratur des Kreises:
Wenn die Eltern
gemeinsam arbeiten und erziehen…

 

Es herrscht eine große Unlust unter den jungen Leuten, Kinder zu bekommen. Immer mehr potentielle Eltern trauen sich Kindererziehung überhaupt nicht mehr zu und haben Angst vor beruflichen und finanziellen Einschränkungen. Einen der Nestoren in Sachen Gleichberechtigung, Klaus Theweleit, Verfasser des  Buches „Männerphantasien“ über die männliche Eroberungskultur (Piper-Verlag), der kürzlich einen viel beachteten Vortrag mit anschließender Diskussion in Hannover dazu hielt, befragte ich dazu, wie Monika Theweleit und er ihr Familienleben gestaltet haben.
Als neueres Beispiel gleichberechtigter Kindererziehung dient ja auch Arbeitsministerin von der Leyen mit 7 Kindern und mithelfendem Mann. Zum Schluss Informationen ihres Ministeriums dazu.

Ingeburg Peters: Wie hat sich der Rollentausch über die Jahrzehnte hin auf Ihre Beziehung ausgewirkt?
Theweleit: „Rollentausch“ ist nicht ganz richtig. Es handelt(e) sich um Arbeitsteilung. Meine Frau hat halbtags in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gearbeitet, vormittags. Ich bin mit Sohn zu Hause geblieben und habe, so weit immer möglich, an meiner Dissertation gearbeitet. Regel dabei: das Kind geht vor.

Einer war immer für die Kinder da

Mittags habe ich gekocht; und das auch so beibehalten, als die Kinder (ein weiteres war dazugekommen) im Kindergarten und in der Schule waren. Nachmittags, wenn meine Frau zu Hause war, konnte ich die nötigen Bibliotheks-Besuche machen, Kopieren etc. oder auch mit den Kindern ins Schwimmbad gehen oder ähnliches. So war (mindestens) einer von uns immer für die Kinder da, manchmal auch beide. Seit die Kinder in Kindergarten bzw. Schule waren, lag meine tägliche sichere Zeit fürs Arbeiten zwischen morgens 8 Uhr (wenn alle aus dem Haus waren) und ca. 12 Uhr 30, wenn es Zeit fürs Kochen wurde. – wenn nicht eins der Kinder krank war und Arztbesuche anstanden. An den Wochenenden hat meine Frau überwiegend gekocht. Ich konnte etwas länger am Stück arbeiten. Abends dann meistens Besuche, Freunde, Kino oder ähnliches. Keine für abends eingeplante Arbeitszeit.

Zeiträume

diszipliniert nutzen

Diese Aufteilung der Arbeit mit den Kindern, Bringen zum und Abholen vom Kindergarten, Elternabende in der Schule, Anschauen der Hausaufgaben, Lernen mit den Kindern, wenn nötig, Kontakte mit anderen Eltern und den Freunden der Kinder,  und was sonst alles noch dazu gehört, haben wir 25 Jahre lang so praktiziert, dass größere Konflikte nicht entstanden. Ende der 70er Jahre begann meine Frau eine Ausbildung zur Psychoanalytikerin (DPV); das schloss eine mehrjährige Lehranalyse und abendliche Seminare ein; ich war dann zu Hause, was mir nicht sehr schwer fiel, da ich bis zu meinem 30. Lebensjahr so gut wie jeden Abend auswärts, in der Kneipe oder mit Freunden und Genossen verbracht habe; mein Bedarf in dieser Hinsicht also einigermaßen gedeckt war.
Weder hat die berufliche Weiterbildung meiner Frau, noch hat die Weiterentwicklung meines Schreibens unter den Arbeitsansprüchen des jeweils anderen gelitten.

Beide hatten ihre eigenen Bereiche

Eher im Gegenteil: zwar ist es unserer Meinung nach für eine solche funktionierende Arbeitsteilung unerlässlich, dass jede(r) seinen eigenen Bereich hat; die eigenen Kontakte und Freundschaften im eigenen Arbeitsbereich, wo der andere nichts hineinzureden hat.
Peters: Dennoch sind Sie der berühmtere Ehepartner geworden.
Theweleit: Im Lauf der 80er hat meine Frau neben der Kliniktätigkeit in eigener psychoanalytischer Praxis zu arbeiten begonnen; seit ca. 10 Jahren arbeitet sie nur noch selbstständig in ihrer Praxis. Umso schöner ist diese wechselseitige Selbstständigkeit, wenn beide Bereiche sich zusätzlich berühren bzw. überschneiden. So hat mein Schreiben, da zu großen Teilen psychoanalytisch ausgerichtet, immer von der Arbeit und den Kenntnissen meiner Frau profitiert. Konkret: sie ist die erste Leserin und Kritikerin der meisten meiner Texte (abgesehen von kleineren journalistischen Arbeiten, die manchmal auch so rausgehen). Während sie ebenso an den Weiterungen meiner Arbeit, besonders in den Kunstbereichen, partizipiert. Womit die Frage der „Berühmtheit“ angegangen wäre. Ich habe in meinen Büchern immer betont, dass meine spezifische Art zu Schreiben als ein Koprodukt aus unserer Art der Beziehung, nicht nur der intellektuellen, angesehen werden soll. Die Beziehung zu den Kindern eingeschlossen und die zu den Freunden auch (was manche Leser meiner Bücher „nervt“ – wozu immer die Erwähnung dieser Monika da; andere aber entsprechend anspricht). Denn: natürlich sind wir seit den frühen 70ern vorwiegend mit Leuten in Berührung (wenn auch seit Mitte der 80er nicht mehr in WG-artigen Wohnformen), die ein ähnliches Lebensmodell zu leben versuchen; also auf der Grundlage möglichster Gleichheit zwischen allen Beteiligten. Es gibt mehr solcher Menschen als man gemeinhin denkt (bzw. als das, was die Statistiken zu denken nahelegen). Diese Menschen leben allerdings in keiner Form irgendeiner öffentlichen Publicity.

Vergnügliches Lernen mit Kindern

Andererseits: mich hat es immer gewundert, dass nicht mehr Männer die Arbeit mit ihren Frauen entsprechend teilen. Es geht ja gar nicht darum, dass ein Teil für den anderen sein „öffentliches Leben“ total aufgibt; es geht durchaus für beide (auf den Pferdefuß komme ich gleich). Es sind auch nicht primär die beruflichen (angeblichen) Karrierehindernisse. Es sieht vielmehr so aus, dass ein Großteil der Männer seine etwas blöden Gratifikationen aus den jeweiligen Männerclubs, Sportclubs, Saufclubs, Raufclubs nicht aufgeben will – aus Angst, eine nähere Arbeits- und Lebensbeziehung zu ihren Frauen würde ihnen nichts Gleichwertiges bieten; so dass sie vor ihrer Männerhorde als irgendwie in ihrer Freiheit Beschnittene dastehen würden. Das hält Mann bei uns schlecht aus – und gibt sich mit den dürftigen (und oft auch konkurrenten und sehr neidischen) Pseudogratifikationen des allgemeinen Kerle-Vereins zufrieden. Tragisch (denn Männer sind in aller Regel nicht sehr freundlich untereinander)! Ihnen entgeht eine Menge, wovon sie nichts ahnen; besonders im engen Umgang mit Kindern, der für mich immer eine Quelle ständigen Lernens war; eines vergnüglichen Lernens.

Der Pferdefuß ist

die schlechte Rente

Der Pferdefuß? Nicht die Ungleichheit im »öffentlichen Bekanntsein«. Darauf war meine Frau nie scharf. Und ich reiße mich nicht um Talkshows. Der Nachteil liegt im Finanziellen. Halbtagsarbeit in der Klinik bedeutet: halbe Rente. Nicht bis 65 dort durchgearbeitet zu haben bedeutet: weitere Rentenminderung. Und Leben als Schriftsteller mit Künstlersozialkasse bedeutet: Rentenbeiträge auf unterster Stufe.
Von der Alterssicherung war bisher die Arbeitsteilung in der Kindererziehung in den meisten Fällen nachteilig, von der Arbeitsform her aber bestens.

 

Und hier der
neueste Stand der Rechtslage

Zur Berücksichtigung von

Kindererziehungszeiten

in der Rentenversicherung:

Zeiten der Kindererziehung nach § 56 Sechstes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI) führen für Mütter und Väter in der gesetzlichen Rentenversicherung zur Versicherungspflicht. Die Rentenbeiträge dafür werden nicht vom Versicherungspflichtigen, sondern vom Bund gezahlt.
Diese Zeiten wirken rentenbegründend und rentensteigernd wie Pflichtbeitragszeiten aufgrund einer Erwerbstätigkeit. Bei Geburten vor 1992 umfasst die Kindererziehungszeit ein Jahr, bei Geburten ab 1992 beträgt sie drei Jahre. Sie werden mit 100 Prozent des Durchschnittsentgeltes aller Versicherten im jeweiligen Erziehungsjahr bewertet.
Die Zeiten der Kindererziehung können selbst dann angerechnet werden, wenn die Eltern während dieser Zeit einem anderen Alterssicherungssystem angehört haben. Voraussetzung ist jedoch, dass sie in dem anderen Alterssicherungssystem nicht annähernd gleich berücksichtigt werden wie in der gesetzlichen Rentenversicherung. Von dieser neuen Regelung profitieren vor allem Mitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen.
Anmerkung der Redaktion: Berufsständische Versorgung im engeren Sinne ist die auf einer gesetzlichen Pflichtmitgliedschaft beruhende Altersversorgung für kammerfähige freie Berufe (Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater beziehungsweise Steuerbevollmächtigte, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer, Zahnärzte sowie Psychologische Psychotherapeuten  und Ingenieure).
Die Kindererziehungszeit wird nur einem Elternteil zugeordnet – demjenigen, der das Kind überwiegend erzogen hat. Erziehen die Eltern ihr Kind gemeinsam, ohne dass der Erziehungsanteil eines Elternteils überwiegt, erhält grundsätzlich die Mutter die Kindererziehungszeit. Soll der Vater die Kindererziehungszeit erhalten, obwohl er das Kind nicht überwiegend erzieht, müssen sie für die Zukunft eine übereinstimmende gemeinsame Erklärung abgeben. Diese Erklärung kann auch rückwirkend, höchstens jedoch für zwei Kalendermonate, abgegeben werden.
Neben Beitragszeiten wegen Kindererziehung können Eltern auch sogenannte Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung nach § 57 SGB VI erhalten. Diese erleichtern den Zugang zu einer Rente. Die Berücksichtigungszeit für Kindererziehung beginnt mit dem Tag der Geburt und endet mit dem Monat der Vollendung des zehnten Lebensjahres des Kindes.
Kinderberücksichtigungszeiten werden wie Kindererziehungszeiten nur einem Elternteil zugeordnet – demjenigen, der das Kind überwiegend erzogen hat.