Info

Info
Werbung behindert oft den Lesefluss und lenkt vom eigentlichen Inhalt ab.
Bitte besuchen Sie deshalb unsere Rubrik „Handel und Wandel„.

  • Das Trojanische Pferd AfD wurde eingelassen... Hannover. Am Donnerstag, 10. September, setzt die Initiative PRÜF Niedersachsen ein Zeichen für den Schutz unserer demokratischen Grundordnung. Im Rahmen der landesweiten Aktion „Post an den Landtag“ übergeben Bürgerinnen und Bürger tausende gesammelte Postkarten direkt an die Landespolitik. Ziel der Aktion ist es, die Niedersächsische Landesregierung zu bewegen, einem Prüfantrag rechtsextremer Parteien beim Bundesverfassungsgericht im Bundesrat zuzustimmen. Niedersachsen kommt hierbei mit seinen sechs Stimmen eine entscheidende Schlüsselrolle zu.

  • Günter Pohl und die Widersprüche


     Was dieses Land kann. Lesung in der Lindener Buchhandlung (Hannover)

    Günter Pohl, Autor einer philosophischen Trilogie, stellt am 22. September 20 Uhr „Was dieses Land kann“, den vierten Band aus der Reihe „Von der Ordnung der Welt“, in der Lindener Buchhandlung (Limmerstraße 43) vor. Er wird aus einigen von mehr als einhundert Glossen zum Zustand eines Landes lesen, das instinktsicher beim Lernen aus der Vergangenheit bei zwei Möglichkeiten die schlechtere auswählt. Die zehn Themenbereiche „Parteien“, „Staatsräson“, „Freunde“, „Medien“, „Menschenrechte“, „Europäische Union“, „Fußball“, „Militarismus“, „Verwandte“ und „Gott und Kirche“ bringen scharfsinnige Texte zu Deutschland und der Welt, die verständlich die Widersprüche der heutigen Politik offenlegen. „Was dieses Land kann“, ist nicht wenig – leider war in den letzten eineinhalb Jahrhunderten nicht so viel Gutes dabei.


  • Von den Nazis ermordet - von der Akademie gelöscht: Edith-Stein-Haus umbenannt

    Das Edith-Stein-Haus ist umbenannt. iptextfoto 
    Hannover. Edith Stein war eine Intellektuelle, die vom jüdischen Glauben zum Katholizismus wechselte und Karmeliterin wurde, nachdem die Schriften Teresa von Avilas sie nachhaltig beeindruckt hatten. Nun wurde ihr Name von der zum Platz an der Basilika umgesiedelten Katholischen Akademie des Bistums Hildesheim am Edith-Stein-Haus in der Clemensstraße gegenüber den Ministerien gelöscht.

    Die Katholische Kirche hatte ihr im Gegensatz zu manch anderen hochbegabten Nonnen freie Hand für ihr literarisches Werk gelassen. Dennoch starb sie 1942, von den Nazis ermordet, in Auschwitz, und ich empfinde ihre Löschung gerade jetzt als unangemessen. 

    Zwar wurde sie 1998 zur Schutzpatronin Europas als 'Teresa Benedicta vom Kreuz' ernannt, aber der ebenfalls intellektuelle Papst Benedikt, Josef Ratzinger, 2022 verstorben, er hob zynisch die Erfindung der Waschmaschine zur Befreiung der Frau hervor, hätte die Namensähnlichkeit verhindern sollen, finde ich... Die Gesegnete und der Segner? ip

  • Beatles auf Röntgenbildern - heute sind sie Klassik und Volksmusik zugleich.

    Alexey Panov / Presidential Press Service, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons.
    ChatGTP: Schriftsteller Peter Handke sagt, er sei durch Die Beatles erleuchtet worden. Und auch ich wurde mit jedem ihrer Songs erwachsener. Heute stimmen sie mich eher traurig. Von Liebe und Freundschaft ist die Rede. Aber im UkraineKrieg töten sich die Brüder und Schwestern, und nur, weil Herrn Trump Europa egal ist? ip

     🎸 Die Beatles waren in der Sowjetunion extrem populär, obwohl ihre Musik dort offiziell nicht einfach erhältlich war. Viele Jugendliche kamen über Schallplattenkopien und Schwarzmarktaufnahmen an ihre Musik.

    🇬🇧 Der Westen sah die Beatles als Teil der westlichen Popkultur. Für die sowjetische Führung war westliche Kultur teilweise ideologisch problematisch.

    💿 Fans stellten sogenannte „Bone Records“ (Rippenplatten) her: Musik wurde auf gebrauchte Röntgenaufnahmen geritzt und weitergegeben. Das war eine ungewöhnliche Form des illegalen Musikkopierens.

    🎵 Der Beatles-Song „Back in the U.S.S.R.“ von 1968 spielt ironisch mit der sowjetischen Perspektive – obwohl die Beatles selbst nie als Band in der UdSSR auftraten.

    🕊️ Besonders interessant: Paul McCartney trat 2003 in Moskau auf dem Roten Platz auf. Für viele ehemalige sowjetische Beatles-Fans war das ein historischer Moment.

    Kurz gesagt: Die Beatles waren ein Symbol westlicher Freiheit und Jugendkultur, das trotz der politischen Grenzen des Kalten Krieges hinter den Eisernen Vorhang gelangte.

  • Besser den Stecker ziehen?

    Nobelpreisträger Salvador E. Luria zeigte in seinem 1974 im Piper-Verlag erschienenen Buch "Leben - das unvollendete Experiment", wie RNA-Moleküle als 'Zwischenstecker' in unsere DNA eingeschleust werden. 

    Durch Impfung implantierte RNA-Stecker können für unterschiedlichste Zwecke genutzt werden, beispielsweise für heimliche Bevölkerungsreduktion, wie es Dr. Wolfgang Wodarg auf seiner Website beschreibt. Seine Orientierungshilfe: https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:20c02318-d26c-443a-a8c8-357748c19374  „Grundimmunisierung“ (wie bei Corona) bedeutet nicht, dass jemand aktuell mit einer neueren Auffrischungsimpfung geschützt ist.

  • Im serbischen Naturschutzgebiet „Deliblatska Pescara“ unter herausfordernden Bedingungen den Waldbrand mitbekämpft

    Die neun niedersächsischen Einsatzkräfte sind von ihrem Auslandseinsatz in Serbien zurückgekehrt. In der Zeit vom 24. bis 29. August 2026 haben sie im Naturschutzgebiet „Deliblatska Pescara“ unter herausfordernden Bedingungen den Waldbrand mitbekämpft. Gemeinsam mit Feuerwehrleuten aus Nordrhein-Westfalen bilden sie das Einsatzkontingent des sogenannten GFFF-V (Ground Forest Firefighting using Vehicles) Moduls.

    Das Naturschutzgebiet umfasst rund 30.000 Hektar und die deutsche Einheit aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen (insgesamt 56 Einsatzkräfte) kontrollierte dort insbesondere schwer zugängliche Bereiche. Diese konnten weitestgehend mit den geländegängigen Einsatzfahrzeugen erreicht werden. Zahlreiche Brandherde mussten jedoch aufgrund des unwegsamen Geländes zu Fuß erkundet und gelöscht werden. (aus Info Innenministerium)

  • Tödliche Männlichkeit - von Weiß bis Schwarz

    Landgericht Hannover. Die jeweilige Hauptverhandlung dient der Klärung, ob die mit einer Anklageschrift/Antragsschrift erhobenen Vorwürfe zutreffen oder nicht. Für alle Angeklagten/Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

    Jugendkammer 4, Strafverfahren gegen J.-J. C, geb. 2004 wegen Vergewaltigung. Prozessauftakt: Donnerstag, 24.09.2026, 09:00 Uhr, Saal nach Aushang im Gericht. Der zur Tatzeit 20 Jahre alte Angeklagte soll mit der Geschädigten am 5. April 2025 in Hannover gegen deren Willen den Beischlaf vollzogen haben. 

     2. große Strafkammer, Strafverfahren gegen T. D.-L., geb. 1976, wegen schweren sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen u.a. Prozessauftakt: Montag, 21.09.2026, 09:00 Uhr, Saal H 2. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, in drei Fällen sexuelle Handlungen, darunter auch Vergewaltigungen an seiner schlafenden Ehefrau vorgenommen zu haben. Zudem soll er jugendpornographische Dateien besessen haben. 

    Jugendkammer 4, Strafverfahren gegen G. K.,geb.1977 wegen Mordes u.a. Prozessauftakt: Freitag, 18.09.2026, 09:00 Uhr, Saal nach Aushang des Gerichts 

    Der Angeklagte soll am 23. März 2026 in Barsinghausen seine schlafende Ehefrau mit mehreren Hammerschlägen auf den Kopf getötet haben. Dabei soll er die Arg- und Wehrlosigkeit der Geschädigten zur Tatbegehung ausgenutzt und wegen eines vermeintlich verletzten Ehrgefühls gehandelt haben. 

    Als seine 13 Jahre alte Tochter aus Sorge um ihre Mutter nach dieser habe sehen wollte, soll der Angeklagte ihr mehrere Schnittverletzungen mit einem Cuttermesser versetzt und ihr mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen haben, um auch diese zu töten. Damit habe er die Entdeckung der vorangegangenen Tat verdecken wollen. Das Kind überlebte die Tat schwer verletzt. 

    Strafkammer 18, Strafverfahren gegen H. H. S., geb. 1939, wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern Prozessauftakt: Donnerstag, 17.09.2026, 10:00 Uhr, Saal H 2. 

    Der Angeklagte soll zwischen 2012 und 2015 vier Mal sexuelle Handlungen an seiner 2003 geborenen Enkeltochter vorgenommen haben, als diese sich zu Übernachtungsbesuchen bei ihm in Hannover aufgehalten habe. 

    22. große Strafkammer, Strafverfahren gegen G. A. C.., geb. 1987 wegen Vergewaltigung u. a. Prozessauftakt: Donnerstag, 10.09.2026, 09:30 Uhr, Saal: s. Aushang. 

    Der Angeklagte soll im Zeitraum zwischen November 2021 und März 2026 in 103 Fällen seiner damaligen Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung in Ronnenberg ein Schlafmittel und/oder Ketamin verabreicht haben, um diese zu betäuben. Nachdem sie das Bewusstsein verloren habe, habe der Angeklagte vielfältige sexuelle Handlungen an ihr durchgeführt, die er gefilmt habe. Diese Aufnahmen soll er an andere Personen weitergeleitet und auf Internetplattformen hochgeladen haben. 

    13. große Strafkammer, Strafverfahren gegen B. T., geb. 1953 wegen versuchten Totschlags Prozessauftakt: Mittwoch, 16.09.2026, 13:00 Uhr, Saal 127. Der Angeklagte soll am 26. März 2026 mit seiner Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung in Hameln Streit geraten sein. In dessen Verlauf soll die Geschädigte ihn geschlagen haben. Dies habe den Angeklagten so erbost, dass er sie so lange gewürgt habe, bis sie das Bewusstsein verloren habe und verstorben sei.

    Dazu meine Anmerkung: "Ich will nicht als Opfer dastehen", sagte eine Betroffene. 

    Besonders Akademikerfamilien, deren Täter in höchster Position und Ansehen stehen, vermeiden den Ruin ihrer Familie durch Schweigen. 

    Habe spontan mir bekannte Fälle in Hautfarben unterteilt: 

    Weiß zehn Täter, Schwarz zwei, Mittel drei. 

    Manche Fälle aus miserablen Milieus kommen meines Erachtens wohl am ehesten zur Anzeige, weil sie sich oft gar nicht mehr vor der Öffentlichkeit verbergen lassen. ip

    PS: auf Youtube läuft derzeit ein Werbevideo, in dem der Mann ihr eine runterhaut, und ihr die alte Brille gegen eine neue austauscht. Das muss bestraft werden! 

  • Hannover alltags

    Nahe dem Höltydenkmal an der Goseriede hat dieser Ast die Kurve gekriegt. 
    Der prägende, nicht fotografierte, Eindruck war allerdings der brausende Autoverkehr nach Ferienende. Gegen diese brutale Realität der Karosserien sind alle Umweltschutz-Versprechen Wortgeklingel. 

    Wo das abgerissene Postscheckamt stand, breitet sich nun ein schier endloses Wolkenmeer über dem Bauzaun aus. Nun soll hier ein Wolkenkratzer in die Höhe schießen. 

    Imposante Platanen spiegeln sich in der Fassade des stillgelegten Kaufhauses Karstadt. 

    Transparent konkreter Poesie an der Dornröschenbrücke.
    Alle Rechte vorbehalten: iptextfotos
  • Earth Night 2026 am 11. September mit Nachtkerzensamen

    Am 9. September Aktionsabend mit Sternengeschichten-Spaziergang

    ffm. Am Freitag, 11. September, findet die diesjährige Earth Night statt. Um auf das Thema aufmerksam zu machen und für den Wert der Dunkelheit zu sensibilisieren, laden das Umweltamt mit der Klimawerkstatt Frankfurt und BioFrankfurt im Vorfeld gemeinsam zu einem Aktionsabend am Mittwoch, 9. September, im Grüneburgpark ein.

    Ab 17 Uhr informiert die Klimawerkstatt Frankfurt an einem Aktionsstand über Lichtverschmutzung und ihre Auswirkungen. Besucherinnen und Besucher können bei einem Quiz ihr Wissen über die Nacht testen und Nachtkerzensamen mitnehmen. Eine Ausstellung zeigt, welche Folgen künstliches Licht für die biologische Vielfalt haben kann.

  • OutdoorGraffitigalerie zum bummeln und betrachten
    Hannover. Goetheplatz/Braunstraße /Glockseestraße/Lenaustraße. ipfotos 


    Von sensitiv bis zärtlich. Eine Passantin: "Besser als vorher sieht die Berufsschule jetzt auf jeden Fall aus." 

    Versteckte Ecke, um keinen Affen zu kriegen, sondern nur Graffitikunst zu genießen. 
    Das Wort „Alphabet“ bedeutet die Gesamtheit der Buchstaben, die man in einer Sprache zum Schreiben verwendet.

  • Beklaute Frau

    Brachte vor 30 Jahren mein Kulturmagazin mittendrin heraus. Kurz darauf rief das Deutsche Fernsehen eine Sendung gleichen Namens ins Leben. Wir würden uns verbreitungsmäßig nicht in die Quere kommen, schrieben die Justiziare auf meinen Protest hin. Es kamen noch weitere hinzu, die den Titel kopierten, letztlich eine Kirchenzeitung in Hannover, aber da hatte ich schon längst aufgegeben. 

    Während ich mir keinen Urlaub leisten konnte, um die Druckkosten zu bezahlen, sprach ein hochstaplerischer ehemaliger Mitarbeiter auf ner Party locker über mittendrin, als sei es sein Magazin, als habe er irgendetwas damit zu tun, obwohl er zum Zeitpunkt der Erstellung nicht einmal in Deutschland war und ich mutterseelenallein mein Projekt voran brachte. 

    So ist es mir oft ergangen. Eine Verwandte referierte überall über meine Gründung des ersten Backpackerhostels in Hannover. Schnell wurde es kopiert, und in direkter Nachbarschaft schamlos realisiert, nachdem man sich bei mir schlau gemacht hatte... 

    Auch mein Heft "Mein Hannover" führte kurz nach Erscheinen zur erfolgreichen e-bookserie einer mir unbekannten Person. "Wenn Sie sich nicht verkaufen können...", kommentierte eine Bekannte den Vorgang des "Beklautseins", über den es im Literarischen Salon Hannover am 26. Oktober um 20 Uhr sogar eine eigene Veranstaltung anderer Autorinnen gibt: "Beklaute Frauen", Audimax im Welfenschloss. 

    Zähle mich zu den meist beklauten und könnte dazu Beispiel an Beispiel reihen. Die Bekannte: "Sie sind halt ein Außenseiter". Wohl wahr.  Ich verkaufe mich nicht. Auch in der Kunstgalerie meiner alten Freundin Maria Marghescu wurde mittendrin geklaut statt gekauft, erzählte sie mir. 

    Frauen schweigen immer noch viel zu oft, wo sie aufstehen müssten, um gesehen, gelesen und gehört zu werden. 

    Die mittendrins sind nach wie vor brandaktuell, nur etwas angestaubt. Holen Sie sich eine oder mehrere verschiedene Ausgaben ab! "Schwarz auf Weiß" ist es doch ein viel angenehmeres Lesen und Leben. ip - Performerin

    Mein damaliger Umschüler Lutz nebst Gattin am mittendrinStand in der hannoverschen Altstadt. 

    Auch das Kultusministerium schaute vorbei. ipfotos

  • Hannover global

    FEMTOPIA von Shiva, Fany und AFC am Goetheplatz.
    Die Sprühfarben sind zwar immer noch giftig, aber Öko war
     gestern, wozu auch, bei all der Rüstung? iptextfoto 

    Hannover. Bin aus der Innenstadt zurück. 

    Das Bauhaus wird von zwei verbitterten Verkäufern für den gesamten Laden aufrecht erhalten, einen Betriebsrat gibt's sowieso nicht. SFU hat schon 18 Uhr geschlossen. Der neu eröffnete SportScheckladen Georgstraße 14 führt aus Platzgründen keine Wandersandalen... Lockerflockig begleiten Polizisten die Gaza-Demo "Free Palestine". Es ist überall brechend voll (außer bei Horstmann&Sander), denn es hat Geld gegeben. 

    Manche Restaurants firmieren nur noch arabisch. Ich entdecke sehr wenige meiner Ethnie in der Menge. Vor C&A singt einer schöne orientalische Lieder zur Gitarre, verstärkt durch Lautsprecherboxen. Bei Rewe an der Kasse sammelt ein Junge begeistert alte Euroscheine, einfach nur so, ohne Grund. 

    Die chinesische Händlerin lobt meine Kenntnisse von ein paar Wortzeichen in archaischem Alt-Chinesisch. Die meisten Zeichen hätten mehrere Bedeutungen. Ich könne das mittels ChatGTP auf modernes Chinesisch erweitern. Wir sprechen über das Dao, die Zusammenarbeit mit der Natur, die so viel klüger ist als Menschen, und ich kaufe ein paar Sushi-Nori-Algen. 

    Auf dem Flohmarkt zeigt ein Händler beim Standabbau auf zwei Kinder, die ohne Mutter hier seien - abgehauen. Ein Gewitter kommt auf. ip

Ich = Ich + Du

Ich = Ich + Du

Jedes private Besitztum ist mit einer sozialen Hypothek belegt…

 

Von Unica Peters

 

Die hispanische Befreiungstheologin und Feministin Ada María Isasi-Díaz über „Solidarity – The Social Contract of the 21st Century“.

Prof. Isasi-Díaz verdeutlicht anhand der Leitwerte der französischen Revolution –liberté, égalité, fraternité die Notwendigkeit von Solidarität.

Der auf das Prinzip der Solidarität verweisende Wert der Brüderlichkeit ist laut Isasi-Díaz als einziger der drei Begriffe in unserer westlichen Welt nicht als Gesetz kodifiziert worden. Dabei ist Solidarität in Zeiten der Globalisierung unabdingbar, um Gerechtigkeit zu erreichen. Verstanden ist Solidarität hier als gemeinsame Verantwortung und gemeinsame Interessen. Bedürftige und Besitzende sind intrinsisch miteinander verbunden; Menschen sind soziale Wesen.

Wir gehen moralisch und auch wirtschaftlich zugrunde, wenn wir uns von den Menschen der „Dritten Welt“ nicht zum Nachdenken über unseren Lebensstandard herausfordern lassen. Zu ihnen stehen wir in einem beidseitigen Abhängigkeits-Verhältnis.

Wir tragen Verantwortung füreinander und haben Anspruch auf gegenseitige Unterstützung. Deswegen geht Solidarität ihrer Struktur nach deutlich über Wohltätigkeit hinaus, auch wenn Letztere nichts Schlechtes ist.

Solidarität bedeutet nicht, zu applaudieren, wenn Unterdrückte

für ihre Rechte kämpfen. Solidarität bedeutet, sich den kritischen

Anfragen und den Forderungen nach Unterstützung, mit denen

sie sich an uns Privilegierte wenden, zu stellen.

Dass die Armen und Schwachen dieser Welt solche Erwartungen

und Wünsche haben, beschrieb Ada María Isasi-Díaz am Beispiel

einiger katholischer Nonnen in einem ländlichen Teil Südamerikas,

die sie auf einer Reise besuchte.

Kurz vor der Abfahrt berichteten die Frauen, ihnen fehlten die Mittel,

um ihre jungen Schutzbefohlenen für die Schule auszurüsten.

Sie begnügten sich nicht damit, für ihr Engagement gelobt zu werden,

sondern sie baten Frau Isasi-Díaz, ihre persönlichen Möglichkeiten

der Unterstützung auszuschöpfen. Daraus wurde ein Spendenappell,

der einige Mittel einbrachte.

Das Entscheidende an der Situation war die gleichberechtigte Begegnung.

Spenden zu sammeln oder Protestbriefe zu schreiben ist kein Akt der

Güte und Muße, sondern das Eingeständnis, mit dem Rest der Welt verbunden zu sein.

Unser Ich ist nicht vollständig ohne ein Du.

Ohne unser Gegenüber sind wir nicht wir selbst.

Arme und unterdrückte Menschen existieren nicht unabhängig

von unserer Situation. Weil wir wir sind, sind sie sie.

Dabei gilt zu bedenken, dass Armut ein politisches Problem ist.

Wir haben uns unsere Privilegien nicht mit eigener Hand genommen.

Aber um wir selbst zu sein und uns selbst zu erkennen, müssen wir

uns unserer privilegierten Lebensumstände bewusst werden und

die Konsequenz daraus ziehen:

Wir sind moralisch dazu verpflichtet, Verantwortung für unseren

Reichtum zu übernehmen und uns für die Anliegen der Armen zu öffnen.

Die „Occupy“-Bewegung in den USA etwa hat die Diskussion über

den Kapitalismus verändert, und Frau Isasi-Díaz sympathisiert

mit der Idee einer „Occupy Faith“-Bewegung, die eine ähnliche

Gesellschaftskritik zugunsten eines fairen Miteinanders ins

Zentrum des christlichen Glaubens stellt.

Dem neoliberalen Trend der Privatisierung stellt sich

zum Beispiel die US-Finanzexpertin Elizabeth Warren entgegen,

die auch eine 2010 von Präsident Barack Obama bewilligte

Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte durchsetzte.

Schließlich fahren auch Millionäre, die sich aufgrund ihrer

finanziellen Mittel als über staatliche Versorgungssysteme

erhaben fühlen, auf Straßen, die mit Steuergeldern finanziert wurden.

Frau Isasi-Díaz erwähnte in diesem Zusammenhang auch die

Äußerung Johannes Paul des II., jedes private Besitztum sei mit einer sozialen Hypothek belegt.

Wie soll nun eine Befreiung aussehen?

Eine gesunde, solidarische (Welt-)gesellschaft zeichnet sich

für die Vortragende aus durch „fullness of life“.

Dies entspricht dem, was Indigene in Südamerika unter

el buen vivir verstehen: Gut (als Adverb verstanden!) zu leben

bedeutet demnach, dass Menschen, Gemeinschaften und

die Natur in Harmonie leben, einander respektieren und keine Gewinne

auf Kosten der anderen Mitglieder der Gemeinschaft anstreben.

Auch im Königreich Bhutan setzt man dem Gewinnstreben

andere Werte entgehen: statt dem Bruttosozialprodukt

ist hier das aus vier Säulen und acht Indexen basierende Prinzip des

„Bruttosozialglücks“ Maßstab für Glück und Zufriedenheit.

Das Beispiel des nach westlichen Maßstäben wirtschaftlich

unter­entwickelten Königreichs Bhutan wirft außerdem

die Frage nach Sinn und Ziel von Entwicklungspolitik,

und Entwicklungszusammenarbeit als Alternative, auf.

Martha Nussbaum, Philosophin und Professorin

für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago,

entwickelte in diesem Bereich in den 1980er Jahren gemeinsam

mit Amartya Sen den „Fähigkeiten-Ansatz“,

der Fähigkeiten (im Sinne von substantiellen Freiheiten wie einem

langen Leben, Beteiligung an wirtschaftlichen Transaktionen

und politischer Teilhabe) als konstitutive Bestandteile

von Entwicklung ansieht und Armut als Entzug von Fähigkeiten definiert.

Die von Isasi-Díaz aufgegriffenen Themen zeigen,

dass Solidarität auf der Ebene der Werte und Maßstäbe ansetzen muss.

Solidarität entsteht und wird notwendig, weil wir soziale Wesen sind.

Sie ist ein menschlicher, kein allein christlicher Wert.

Die anfangs erwähnte, beidseitige Beziehung zwischen

Angehörigen der Ersten und der Dritten Welt braucht

keine Intimität oder Vertrautheit, um funktionieren zu können.

Auch aus Gebieten, die weit von uns entfernt sind, erreichen

uns Botschaften, Ansprüche und Erwartungen.

Wir wissen um die Verknüpfungen unseres Wohlstandes

mit der Armut in der Welt. Wenn wir unserer Verantwortung

gerecht werden wollen, können wir

keinen „individuellen“ Weg gehen und uns

der beidseitigen Beziehung entziehen.

Aber auch in unterprivilegierten Gruppen entsteht

Solidarität nicht automatisch. Isasi-Díaz berichtete

hier von Latinas in den USA, die sich aufopfern,

um ihren Kindern den Besuch Oberschule oder

sogar der Universität zu ermöglichen.

Die nun gebildeteren Kinder schämen sich oft

für die Einfachheit ihrer Mütter, anstatt ihnen dankbar zu sein.

Als Einwanderer zweiter Generation meinen sie,

sich in die Erste Welt einkaufen und anpassen zu müssen.

Häufig entwickeln sie erst mit Heirat und Familiengründung

ein Bewusstsein dafür, dass ihre eigene Stellung

auf der Unterstützung der Müttergeneration beruht.

Im Sinne der Solidarität wäre es für diese jungen Amerikaner wichtig,

sich weiterhin in ihrer Herkunftsgemeinschaft verwurzelt zu sehen

und zu versuchen, dieses Prinzip der gegenseitigen Hilfe in ihrem

neuen gesellschaftlichen Umfeld zu etablieren.

 

Natürlich können wir nicht in allen Lebensbereichen gleichermaßen

Verantwortung für unsere Privilegien übernehmen und uns

solidarisch mit den sozial und wirtschaftlich Unterdrückten zeigen.

Aber wir können Schwerpunkte in einigen Bereichen setzen.

Auch unser Leben im materiellen Sinn zu vereinfachen kann helfen,

das „wir“ zu entdecken.

An dieser Stelle kommt eine wichtige Frage auf: Wie sollen

wir mit den Unterdrückern, den Reichen, umgehen?

Frau Isasi-Díaz stimmt zu, dass dies ein heikler Punkt sei.

Sie wies darauf hin, dass es auch unter den Superreichen Menschen gibt,

die sich in der Verantwortung sehen, etwa Warren Buffet und Bill und Melinda Gates,

die seit Jahren nicht nur die Zinsen, sondern auch die Substanz

ihres Vermögen in private Wohltätigkeitsstiftungen investieren.

Generell wird es aber wohl schwer sein, den Superreichen zu vermitteln,

dass sie den Rest der Gesellschaft (also sowohl uns als Mittelschicht,

als auch die Ärmsten) brauchen.

Ada María Isasi-Díaz bezeichnet sich denn auch ganz offen

als historische Utopistin, die fest an das „Wir“-Gefühl glaubt, weil sie es z.B. in indigenen Gemeinschaften erlebt hat.

Ada María Isasi-Díaz ist Prof. em. für Ethik und Theologie

an der Drew University, New Jersey.

Kontakt: aisasidi@drew.edu.

Homepage: http://users.drew.edu/aisasidi/.

Ihr neues Buch, das die im Vortrag vorgestellten Ideen entwickelt,

wird 2013 unter dem Titel Justicia:

A Reconciliatory Praxis of Care and Tenderness bei der Fortress Press erscheinen.


[2] http://en.wikipedia.org/wiki/Conacami, Abschnitt „Mission and Vision“,

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigreich_Bhutan,

Abschnitt „Wirtschaftliches Gefälle“, abgerufen ab 10.01.12.

Berichte über Bhutan gibt es laut Isasi-Díaz regelmäßig auf aljazeera.com.

[4] http://en.wikipedia.org/wiki/Martha_Nussbaum, Abschnitt „The Capability approach“,

Frau Isasi-Díaz empfiehlt hierzu auch Nussbaums 2000

bei der Cambridge University Press erschienenes Buch Women and Human Development.

Interview mit Klaus Theweleit über Elternzeit

Die Quadratur des Kreises:
Wenn die Eltern
gemeinsam arbeiten und erziehen…

 

Es herrscht eine große Unlust unter den jungen Leuten, Kinder zu bekommen. Immer mehr potentielle Eltern trauen sich Kindererziehung überhaupt nicht mehr zu und haben Angst vor beruflichen und finanziellen Einschränkungen. Einen der Nestoren in Sachen Gleichberechtigung, Klaus Theweleit, Verfasser des  Buches „Männerphantasien“ über die männliche Eroberungskultur (Piper-Verlag), der kürzlich einen viel beachteten Vortrag mit anschließender Diskussion in Hannover dazu hielt, befragte ich dazu, wie Monika Theweleit und er ihr Familienleben gestaltet haben.
Als neueres Beispiel gleichberechtigter Kindererziehung dient ja auch Arbeitsministerin von der Leyen mit 7 Kindern und mithelfendem Mann. Zum Schluss Informationen ihres Ministeriums dazu.

Ingeburg Peters: Wie hat sich der Rollentausch über die Jahrzehnte hin auf Ihre Beziehung ausgewirkt?
Theweleit: „Rollentausch“ ist nicht ganz richtig. Es handelt(e) sich um Arbeitsteilung. Meine Frau hat halbtags in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gearbeitet, vormittags. Ich bin mit Sohn zu Hause geblieben und habe, so weit immer möglich, an meiner Dissertation gearbeitet. Regel dabei: das Kind geht vor.

Einer war immer für die Kinder da

Mittags habe ich gekocht; und das auch so beibehalten, als die Kinder (ein weiteres war dazugekommen) im Kindergarten und in der Schule waren. Nachmittags, wenn meine Frau zu Hause war, konnte ich die nötigen Bibliotheks-Besuche machen, Kopieren etc. oder auch mit den Kindern ins Schwimmbad gehen oder ähnliches. So war (mindestens) einer von uns immer für die Kinder da, manchmal auch beide. Seit die Kinder in Kindergarten bzw. Schule waren, lag meine tägliche sichere Zeit fürs Arbeiten zwischen morgens 8 Uhr (wenn alle aus dem Haus waren) und ca. 12 Uhr 30, wenn es Zeit fürs Kochen wurde. – wenn nicht eins der Kinder krank war und Arztbesuche anstanden. An den Wochenenden hat meine Frau überwiegend gekocht. Ich konnte etwas länger am Stück arbeiten. Abends dann meistens Besuche, Freunde, Kino oder ähnliches. Keine für abends eingeplante Arbeitszeit.

Zeiträume

diszipliniert nutzen

Diese Aufteilung der Arbeit mit den Kindern, Bringen zum und Abholen vom Kindergarten, Elternabende in der Schule, Anschauen der Hausaufgaben, Lernen mit den Kindern, wenn nötig, Kontakte mit anderen Eltern und den Freunden der Kinder,  und was sonst alles noch dazu gehört, haben wir 25 Jahre lang so praktiziert, dass größere Konflikte nicht entstanden. Ende der 70er Jahre begann meine Frau eine Ausbildung zur Psychoanalytikerin (DPV); das schloss eine mehrjährige Lehranalyse und abendliche Seminare ein; ich war dann zu Hause, was mir nicht sehr schwer fiel, da ich bis zu meinem 30. Lebensjahr so gut wie jeden Abend auswärts, in der Kneipe oder mit Freunden und Genossen verbracht habe; mein Bedarf in dieser Hinsicht also einigermaßen gedeckt war.
Weder hat die berufliche Weiterbildung meiner Frau, noch hat die Weiterentwicklung meines Schreibens unter den Arbeitsansprüchen des jeweils anderen gelitten.

Beide hatten ihre eigenen Bereiche

Eher im Gegenteil: zwar ist es unserer Meinung nach für eine solche funktionierende Arbeitsteilung unerlässlich, dass jede(r) seinen eigenen Bereich hat; die eigenen Kontakte und Freundschaften im eigenen Arbeitsbereich, wo der andere nichts hineinzureden hat.
Peters: Dennoch sind Sie der berühmtere Ehepartner geworden.
Theweleit: Im Lauf der 80er hat meine Frau neben der Kliniktätigkeit in eigener psychoanalytischer Praxis zu arbeiten begonnen; seit ca. 10 Jahren arbeitet sie nur noch selbstständig in ihrer Praxis. Umso schöner ist diese wechselseitige Selbstständigkeit, wenn beide Bereiche sich zusätzlich berühren bzw. überschneiden. So hat mein Schreiben, da zu großen Teilen psychoanalytisch ausgerichtet, immer von der Arbeit und den Kenntnissen meiner Frau profitiert. Konkret: sie ist die erste Leserin und Kritikerin der meisten meiner Texte (abgesehen von kleineren journalistischen Arbeiten, die manchmal auch so rausgehen). Während sie ebenso an den Weiterungen meiner Arbeit, besonders in den Kunstbereichen, partizipiert. Womit die Frage der „Berühmtheit“ angegangen wäre. Ich habe in meinen Büchern immer betont, dass meine spezifische Art zu Schreiben als ein Koprodukt aus unserer Art der Beziehung, nicht nur der intellektuellen, angesehen werden soll. Die Beziehung zu den Kindern eingeschlossen und die zu den Freunden auch (was manche Leser meiner Bücher „nervt“ – wozu immer die Erwähnung dieser Monika da; andere aber entsprechend anspricht). Denn: natürlich sind wir seit den frühen 70ern vorwiegend mit Leuten in Berührung (wenn auch seit Mitte der 80er nicht mehr in WG-artigen Wohnformen), die ein ähnliches Lebensmodell zu leben versuchen; also auf der Grundlage möglichster Gleichheit zwischen allen Beteiligten. Es gibt mehr solcher Menschen als man gemeinhin denkt (bzw. als das, was die Statistiken zu denken nahelegen). Diese Menschen leben allerdings in keiner Form irgendeiner öffentlichen Publicity.

Vergnügliches Lernen mit Kindern

Andererseits: mich hat es immer gewundert, dass nicht mehr Männer die Arbeit mit ihren Frauen entsprechend teilen. Es geht ja gar nicht darum, dass ein Teil für den anderen sein „öffentliches Leben“ total aufgibt; es geht durchaus für beide (auf den Pferdefuß komme ich gleich). Es sind auch nicht primär die beruflichen (angeblichen) Karrierehindernisse. Es sieht vielmehr so aus, dass ein Großteil der Männer seine etwas blöden Gratifikationen aus den jeweiligen Männerclubs, Sportclubs, Saufclubs, Raufclubs nicht aufgeben will – aus Angst, eine nähere Arbeits- und Lebensbeziehung zu ihren Frauen würde ihnen nichts Gleichwertiges bieten; so dass sie vor ihrer Männerhorde als irgendwie in ihrer Freiheit Beschnittene dastehen würden. Das hält Mann bei uns schlecht aus – und gibt sich mit den dürftigen (und oft auch konkurrenten und sehr neidischen) Pseudogratifikationen des allgemeinen Kerle-Vereins zufrieden. Tragisch (denn Männer sind in aller Regel nicht sehr freundlich untereinander)! Ihnen entgeht eine Menge, wovon sie nichts ahnen; besonders im engen Umgang mit Kindern, der für mich immer eine Quelle ständigen Lernens war; eines vergnüglichen Lernens.

Der Pferdefuß ist

die schlechte Rente

Der Pferdefuß? Nicht die Ungleichheit im »öffentlichen Bekanntsein«. Darauf war meine Frau nie scharf. Und ich reiße mich nicht um Talkshows. Der Nachteil liegt im Finanziellen. Halbtagsarbeit in der Klinik bedeutet: halbe Rente. Nicht bis 65 dort durchgearbeitet zu haben bedeutet: weitere Rentenminderung. Und Leben als Schriftsteller mit Künstlersozialkasse bedeutet: Rentenbeiträge auf unterster Stufe.
Von der Alterssicherung war bisher die Arbeitsteilung in der Kindererziehung in den meisten Fällen nachteilig, von der Arbeitsform her aber bestens.

 

Und hier der
neueste Stand der Rechtslage

Zur Berücksichtigung von

Kindererziehungszeiten

in der Rentenversicherung:

Zeiten der Kindererziehung nach § 56 Sechstes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI) führen für Mütter und Väter in der gesetzlichen Rentenversicherung zur Versicherungspflicht. Die Rentenbeiträge dafür werden nicht vom Versicherungspflichtigen, sondern vom Bund gezahlt.
Diese Zeiten wirken rentenbegründend und rentensteigernd wie Pflichtbeitragszeiten aufgrund einer Erwerbstätigkeit. Bei Geburten vor 1992 umfasst die Kindererziehungszeit ein Jahr, bei Geburten ab 1992 beträgt sie drei Jahre. Sie werden mit 100 Prozent des Durchschnittsentgeltes aller Versicherten im jeweiligen Erziehungsjahr bewertet.
Die Zeiten der Kindererziehung können selbst dann angerechnet werden, wenn die Eltern während dieser Zeit einem anderen Alterssicherungssystem angehört haben. Voraussetzung ist jedoch, dass sie in dem anderen Alterssicherungssystem nicht annähernd gleich berücksichtigt werden wie in der gesetzlichen Rentenversicherung. Von dieser neuen Regelung profitieren vor allem Mitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen.
Anmerkung der Redaktion: Berufsständische Versorgung im engeren Sinne ist die auf einer gesetzlichen Pflichtmitgliedschaft beruhende Altersversorgung für kammerfähige freie Berufe (Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater beziehungsweise Steuerbevollmächtigte, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer, Zahnärzte sowie Psychologische Psychotherapeuten  und Ingenieure).
Die Kindererziehungszeit wird nur einem Elternteil zugeordnet – demjenigen, der das Kind überwiegend erzogen hat. Erziehen die Eltern ihr Kind gemeinsam, ohne dass der Erziehungsanteil eines Elternteils überwiegt, erhält grundsätzlich die Mutter die Kindererziehungszeit. Soll der Vater die Kindererziehungszeit erhalten, obwohl er das Kind nicht überwiegend erzieht, müssen sie für die Zukunft eine übereinstimmende gemeinsame Erklärung abgeben. Diese Erklärung kann auch rückwirkend, höchstens jedoch für zwei Kalendermonate, abgegeben werden.
Neben Beitragszeiten wegen Kindererziehung können Eltern auch sogenannte Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung nach § 57 SGB VI erhalten. Diese erleichtern den Zugang zu einer Rente. Die Berücksichtigungszeit für Kindererziehung beginnt mit dem Tag der Geburt und endet mit dem Monat der Vollendung des zehnten Lebensjahres des Kindes.
Kinderberücksichtigungszeiten werden wie Kindererziehungszeiten nur einem Elternteil zugeordnet – demjenigen, der das Kind überwiegend erzogen hat.